VC Neuwied 77 richtet sich nach Insolvenz der Deichstadtvolleys GmbH neu aus

Wie sieht die Zukunft der Deichstadtvolleys aus?

10.01.2024 - 12:07

Neuwied. Mit Insolvenzanmeldung der Deichstadtvolleys GmbH Mitte Dezember muss sich der Stammverein VC Neuwied 77 e.V. neu ausrichten. Parallel zum fortgesetzten Spielbetrieb in der Bundesliga setzt sich der Vorstand des gemeinnützigen Vereins mit der veränderten Sachlage aus dem Zusammenspiel von Amateur- und Profisport auseinander.

Die gute Nachricht vorweg: „Der gemeinnützige Hauptverein VC Neuwied 77 e.V. ist wirtschaftlich stabil und nicht von der Insolvenz betroffen, das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich festhalten. Für den Verein geht es in allen Bereichen normal weiter“, so Vereinsvorstand Raimund Lepki. Ihm ist die Botschaft deswegen so wichtig, weil wiederholt gefragt werde, ob der „Verein pleite sei“.

Mit der Entscheidung im Jahr 2020, im Rahmen des erstmalig aufgelegten VBL Aufsteigerprogramm von der 2. Liga in das Oberhaus aufzusteigen, war die Bedingung verbunden, den Spielbetrieb in der Bundesliga vom Hauptverein abzukoppeln. Zum einen wurde damit das wirtschaftliche Risiko für den VC Neuwied 77 e.V. minimiert, zum anderen erfordert die Geschäftsführung im Profisport eine höhere Reaktivität und bringt deutlich mehr Komplexität mit. Mit der Bestellung des designierten Geschäftsführers Manohar Faupel für die geplante Spielbetriebsgesellschaft Anfang 2021 und der Gründung derselben im Mai 2021 (Die Deichstadtvolleys Neuwied GmbH) erfolgte die Ausgliederung der 1. Mannschaft in die Profi-GmbH.

Raimund Lepki: „Dass es mehr als sinnvoll ist, diese beiden doch sehr unterschiedlichen Bereiche zu trennen, haben wir in den vergangenen Jahren feststellen können und das hilft uns natürlich auch jetzt.“ Natürlich sei es schade, dass die wirtschaftlichen Umstände zu der neuen Situation geführt hätten, aber Lepki betont: „Die VBL und die Deichstadtvolleys-Geschäftsführung, der Hauptverein als Alleingesellschafter und der Beirat sowie der Hauptsponsor, wir alle waren uns Mitte Dezember einig, dass es wirtschaftlich unverantwortlich gewesen wäre, eine drohende Zahlungsunfähigkeit zu ignorieren und daher erfolgte aus Schutzgründen der Antrag auf Insolvenzeröffnung.“


Nachwuchsarbeit im Fokus


Für den Hauptverein gilt es nun, sich neu auszurichten und die Planung der neuen Saison 2024/25 anzugehen. Dabei haben die beiden geschäftsführenden Vorstände des VC Neuwied 77, Raimund Lepki und Cornelia Weigel, die Prämissen Nachwuchsarbeit, wirtschaftliches Handeln und sportliche Erfolge und im Blick.

Cornelia Weigel verantwortet den Nachwuchsbereich im Verein, dieser ist zentral für die Aktivitäten im Verein. „Neben den Erwachsenen-Mannschaften des VCN77 ist die Jugendarbeit für den Verein sehr wichtig. Von der Kreisliga bis zur Regionalliga: In allen Teams sind junge Spielerinnen aktiv, die gezielt gefördert werden. Darüber hinaus organisiert der Verein den Jugendspielbetrieb und nimmt in verschiedenen Altersklassen an Jugendwettkämpfen bis zu Deutschen Meisterschaften teil.“

Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Zusammenarbeit mit Neuwieder Schulen in Form von Kooperationen und Programmen an Ganztagsschulen. Dafür und für die vereinsinterne Jugendarbeit wurde im August 2023 mit Benjamin Meßner (35) ein hauptamtlicher Jugendtrainer installiert. „Benjamin macht eine ausgezeichnete Arbeit im Nachwuchsbereich, die Resonanz in den Schulen und bei unseren Anfängergruppen ist sehr positiv - und natürlich wollen und werden wir mit ihm weiterarbeiten,“ unterstreicht Weigel das ausgezeichnete Miteinander mit dem gebürtigen Offenburger, der an der SpoHo Köln sein Studium absolviert hat.

Kurz vor Weihnachten wurde der VC Neuwied vom Landessportbund (LSB) und dem Ministerium des Innern und für Sport als einer der drei RLP Volleyball-Landesstützpunkte für 2024 und 2025 weiter bestätigt. Benjamin Meßner arbeitet daher auch mit Landestrainer Bernd Werscheck zusammen, sie trainieren und fördern die weiblichen U16-U18 Talente des Vereins und der Region.

Dem VC Neuwied 77 gelang im September 2023 der Glücksgriff, mit Niclas Schlüter (28) einen zusätzlichen, jungen und sehr engagierten A-Trainer zu verpflichten, er führt die intensive Nachwuchsarbeit des Vereins nahtlos fort. Trotz des großen Umbruchs in der RL-Mannschaft gelingt es Schlüter, die Mischung aus zwölf teils sehr jungen Nachwuchsspielerinnen und fünf erfahrenen Spielerinnen erfolgreich durch den Spielbetrieb zu führen. Aktuell belegt das Team mit 19 Punkten Platz 5 mit Blick nach oben, der Unterschied zu Platz 3 beträgt lediglich zwei Punkte.

Cornelia Weigel unterstreicht die Qualitäten von Schlüter: „Es war für Niclas ein schwieriges Umfeld, als er gestartet ist. Was er daraus in kurzer Zeit gemacht hat, finden wir ausgezeichnet und hat unsere Erwartungen übertroffen. Auch mit ihm möchten wir die erfolgreiche Zusammenarbeit sehr gerne fortsetzen.“

„Insgesamt floriert der Nachwuchsbereich, sicher bräuchte es aber noch weitere Übungsleiter, Fördergelder und Spenden sowie helfende Hände im Hintergrund“, zieht Weigel ein positives Fazit und wirbt gleichzeitig für mehr Unterstützung.


Wirtschaftlich solide Planung als Ziel


Die Wirtschaftlichkeit bleibt bei allen sportlichen Bestrebungen das oberste Ziel für den Verein, führt Lepki weiter aus: „Wir merken wie alle anderen Vereine, dass es immer schwieriger wird, Gelder hereinzuholen. Corona ist eine einschneidende wirtschaftliche Zäsur gewesen, seit 2020 gibt es nahtlos viele berechtigte Gründe für Unternehmen und Private, sich bei der Unterstützung des Sports zurückzuhalten.“ Vor allem deshalb sei es sehr wichtig, weiter Unterstützung durch die bisherigen Partner zu bekommen. Dass es eine wirtschaftlich solide Planung für die Saison 2024/25 braucht, ist Lepki und Weigel sowie dem VCN77-Finanzverwalter Ulrich Dittscheidt klar. „Wir werden in den nächsten sechs bis acht Wochen als Hauptverein mit unseren bisherigen Sponsoren Gespräche führen. Dann sollten wir wissen, was sicher im Topf ist und nur das kann ausgegeben werden. Wir bitten noch um Geduld bezüglich der Aussagen für die nächste Saison, all das hängt von den Rückmeldungen in den nächsten Wochen ab.“


Medaillen und Trophäen sind nicht das Hauptaugenmerk


Neben der Nachwuchsarbeit und Wirtschaftlichkeit haben Weigel und Lepki auch die Prämisse „sportliche Erfolge“ im Blick. Dabei geht es ihnen weniger um Medaillen oder Trophäen: „Uns war von Anfang an klar, wie herausfordernd es in der 1. Liga ist und dass wir mit dem kleinsten Etat sportlich sehr schwieriges Terrain betreten. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass ein solches Projekt Zeit und viel Geduld mit jungen und wenig erfahrenen Spielerinnen braucht. Natürlich können wir aber verstehen, dass die Fans, Partner und Sponsoren nach drei sehr harten Saisons wieder ausgeglichene Matches und auch Siege sehen wollen.“

Jede Woche die Spiele zu verfolgen und vorher zu wissen, dass es kaum Chancen auf einen Gewinn gebe, das erfordere sehr viel Enthusiasmus und auf Dauer nutze sich dieser ab. Daher werde auch dieser Aspekt mit in die Entscheidung für die Spielklasse der ersten Mannschaft in der nächsten Saison einfließen.

Für den geschäftsführenden Vorstand des VC Neuwied 77 e.V. gilt es in den nächsten Wochen vieles zu besprechen und zu planen. Gleichwohl zeigen sich Cornelia Weigel und Raimund Lepki positiv kämpferisch: „Es gilt die aktuelle Situation zu nutzen, um den VC Neuwied 77 für die Zukunft auszurichten. Dies erfordert aus und um dem Verein weitere Unterstützung, das ist uns auch klar. Wir appellieren daher an alle, mit uns diesen Weg zu gehen und sich in unserem bunten und nachwuchsorientierten Volleyballverein zu engagieren.“

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