Großer Anklang bei der Vernissage der „Kulturzeit“-Ausstellung im Möbelhaus Ockenfels

Auch Kripp kann Kunst

27.06.2017 - 15:30

Kripp. Beim Eingang links hat er seine Koje, sodass einem die leuchtend farbigen Formate gleich ins Auge springen. Gerhard Oelsberg pflegt einen engagierten Malstil. Das sieht man, wenn er in Acryl Details naherückt, wie bei „Technik“ oder „Fahrradfahren“, wo ein Radausschnitt mit Speichen und eine Lampe ins Visier geraten. Das wird ebenso erkennbar bei einer fröhlich-wilden Zusammenstellung roten Geschirrs sowie der Löwenzahnwiese, die vermutlich jeder Kuh das Wasser im Maul zusammenlaufen lässt.

Zehn Jahre hat Oelsberg in der Malschule Roos gelernt und sich mit Kursen an der Europäischen Kunstakademie in Trier weitergebildet. Nicht minder begeistert, indes professioneller, ist Evangenia Albrecht kreativ unterwegs.

Kein Wunder, studierte sie doch Musik, Malerei und Architektur in ihrem Heimatland Russland. Bestens gelaunt erklärt Albrecht, wie sie ihre dekorativen Bildwerke collagiert: etwa aus selbstgeschöpftem Papier, bedruckter wie bemalter Zeitung, Ausrissen, Wachs Schriftelementen. Sie versammelt vorproduzierte künstlerische Materialien um sich, dann komponiert sie in einem rauschhaften Arbeitsprozess, wie es ihr passend erscheint.

Zweimal kraftvolle Malerei bringt Saba Lafegra ein, die mit sehr eigener Handschrift überzeugt. Dies belegen, ein gelbes übergriffiges Wesen mit einer Frau und ein Fisch, der gerade gefressen wird.


Gemeinsames Bewusstsein


Die Genannten sind drei von zehn Kripper Künstlern, die derzeit im ehemaligen Möbelhaus Ockenfels ausstellen. Genau genommen sind es elf. Denn der 1915 als Sohn eines Dresdener Fabrikanten in Köln geborene und 1975 in Kripp verstorbene Maler Fritz Rübbert, der mit seiner Ehefrau Jeannette die ehemalige St. Johannes Nepumuk Kapelle bewohnte, ist gleichfalls mit einer Reihe seiner zwischen Konstruktivismus und Expressionismus stehenden Bildern vertreten.

Damit ist in Kripp der zweite Teil der „Kulturzeit“ angebrochen. Nachdem im Mai aus Anlass der renovierten Rheinpromenade Teil Eins die bebilderte Kulturreise „Damals und Heute“ präsentierte, gilt nun das Augenmerk der Kunst. Künstler, der organisierende „Traditionsverein“ und das Orga-Team um Dr. Peter Ockenfels möchten mit der Kulturzeit „einen weiteren Baustein für die Region und die Stadt Remagen als Kulturmagnet an Rhein und Ahr legen“. Sie wollen zeigen, welche Kreativität nicht nur in Remagens Innenstadt, sondern auch in dem Ortsteil Kripp vorhanden ist. Das scheint glänzend gelungen, urteilt man nach der Vernissage am Samstag.

Ockenfels stellte die Künstler vor und Bürgermeister Herbert Georgi, der auch Ortsbürgermeister Heinz-Peter Hammer begrüßte, betonte die Bedeutung des Ereignisses: „Das fördert die Identifikation mit dem Ort. Ein gemeinsames Bewusstsein ist wichtig, vor allem für die Neueinwohner“, so Georgi.


Rhein-Ahr- Eifel so schön


Schüler der Musikschule Frank von Häfen, Ronja von Stein, Sergen Cebiroglu, Serena Cebiroglu, Natascha Holl und Edvis Esmaeli begleiteten die Besucher musikalisch bei ihrem Rundgang durch die gut 800 Quadratmeter große Galerie auf Zeit.

Allein vier Fotografen werben um die Gunst des Publikums. Karen Feret beschickt einen großen Bereich mit herausragenden Naturfotos und zeigte ein Video.

Ihr Motto lautet „Warum denn in die Ferne schweifen, wo schöne Motive von Rhein-Ahr-Eifel sind so nah.“ Feret braucht kein Tarnzelt, sondern nutzt ein 500er Objektiv und ihr Gespür für den Augenblick, um Turmfalke, den Kleinen Heufalter, Prachtlibelle oder den Roten Milan auf roten Blättern Wilden Weins festzuhalten.

Gerne kombiniert sie ihre Aufnahmen mit Gedichten, die den Bezug von Natur und Mensch herausarbeiten. Auch Lothar Hans Jack bezauberte mit Motiven aus Flora und Fauna. Einen Maikäfer und den seltenen Gemeinen Bläuling, Flieder im Rapsfeld und Schnee auf Stacheldraht gibt es bei ihm zu entdecken.


Nachdenklich stimmend


Meisterfotografin Jutta Katharina Dreckmann dagegen ist mit Bildern vom Rhein und aus dem Ruhrgebiet dabei, wo sie etwa die Zeche Zollverein in Essen ablichtete.

Sie hat aber auch ein Händchen für belebte Augenblicke, wie den wunderbaren Balanceakt von Kindern vor Landschaft und einen musizierenden Lebenskünstler, den sie mit Gitarre in der Laibung eines Kirchenfensters antraf. Einen anderen Weg, den der Dokumentarfotografie, beschreitet Ralf Schuhmann.

Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren hat der gebürtige Leipziger und studierte Fotograf die Wohnanlage Lange Fuhr in ihrer Entwicklung als Baugebiet mit 181 Baugrundstücken begleitet. Anhand unzähliger Bilder verfolgt er, wie teils binnen Wochen ganze Straßenzüge entstanden und Häuser temporeich aus dem Boden wuchsen.

Schuhmann eröffnet nachdenklich stimmende Blicke auf eine rasante Veränderung, die neue Heimat für 400 Menschen bietet, aber dem Traum vom Eigenheim auch viel Flächenverbrauch zu Lasten der Natur opfert.

Fotos kommen auch von Eva Töpfer, die eher als Malerin bekannt ist. Sie verfolgt mit der Kamera Ausschnitte einer Schrittfolge sowie den Fokus auf den eigenen Wanderschritt und lässt somit über Bodenhaftung, Standpunkt und Bewegung sinnieren.


Gut gemacht, Kripp!


Hintersinniger Humor, solide Handwerklichkeit und das Beherrschen des kleinen Formates sind Kennzeichen von Radierungen und Zeichnungen aus der Hand von Janko Arzencek. Nach Architektur und Germanistikstudien und 30-jähriger Tätigkeit als Rundfunkjournalist praktizierte der in Slowenien geborene Künstler sein Faible für die Kunst des feinen Strichs. In der Ausstellung lohnt die Hinwendung zu nie gesehenen Impressionen vom Rhein, winkende Nixen auf Schachbrettbadetüchern und die Irrfahrt der Queen Mary II vor Erpel. Was Computerkünstler Claus Bella digital erarbeitet, lässt gleichfalls auf seine Art staunen und zeigt, dass es eben nicht nur eines Bildbearbeitungsprogramms bedarf, sondern des Künstlers, der es inspiriert einsetzt, um gute Resultate zu erzielen.

Bellas Päpste-Triologie, eine Abrechnung mit den Lastern des Klerus, in Anlehnung an den großen Francis Bacon, beeindruckt.

„Gut gemacht, Kripp!“ kann man im Hinblick auf diese Kulturzeit nur sagen, die bis 2. Juli samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie an den Wochentagen von 15 bis 18 Uhr geöffnet ist.

HG

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Kommentare
Karsten Kocher:
Mit den hauptamtlichen Abgeordneten Bleck, Münzenmaier und Lohr, Leuten ohne Berufs- oder Studienabschluß, verhöhnt die AfD Rheinland-Pfalz gerade zu die politische Einstellung "Konservativ"....
Stefan Knoll:
Es ist ja bei der AfD Rheinland-Pfalz nicht nur Andreas Bleck, der ohne Berufs- bzw. Studienabschluß in Bundestag oder Landtag geschickt wird. Auf Platz eins der AfD-Landesliste für den Bundestag ist Sebastian Münzenmaier, der auch weder Berufs- noch Studienabschluß hat. Dazu wurde Münzenmaier im Dezember...
Antje Schulz:
Schlimm, daß die Mitglieder der AfD solche Leute ohne jeglichen Ausbildungs-oder Studienabschluß wie Bleck ganz nach oben auf ihrer Landesliste wählen. Erschreckend sind auch die Bildungslücken von Bleck. So feierte Bleck in einem Posting auf seiner Facebook-Seite im Herbst 2019 doch allen Ernstes "30...
Gabriele Friedrich:
@Frau Nachtsheim. **Bad Ems !!! Ob nun eine Abfahrt gesperrt wird oder nicht, entscheidet die Polizei. Sie wissen ja gar nicht, ob die frei gehalten wurde- um eventuell größere Fahrzeuge dort zu verbringen oder sonst etwas. Dann haben Sie einen Umweg fahren müssen. Na und ? Es gibt weitaus schlimmere...
Dagmar Nachtsheim:
Man hätte aber die Abfahrt bad ems frei lassen können, so eine lange Absperrung war unnötig...
Gabriele Friedrich:
Die SUV's sind grundsätzlich zur Pest geworden und gehören nicht in Städte. Es besteht kein Grund, ein solches Fahrzeug hier zu fahren. Dennoch- ein Gefahrentransport muss auch eine Notbremsung aushalten. Die Behälter? waren nicht genügend gesichert. Ich hoffe, das wird ermittelt und die Transportfirma...
Gabriele Friedrich:
[ Zitat] Der verlängerte Teil-Lockdown in Deutschland wird nach Auffassung der „Wirtschaftsweisen“ Veronika Grimm kaum gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft in der Bundesrepublik haben. Die hauptsächlich betroffenen Branchen wie Gastronomie, die Kulturszene oder die Verkehrsbranche hätten...
Gabriele Friedrich:
[ Zitat ] Mit Spannung schaut Deutschland auf das Rennen um den CDU-Vorsitz. Denn im Normalfall tritt der neue Vorsitzende auch als Kanzlerkandidat an. [ Zitat Ende ] Wir haben aber nicht den "Normalfall". Frau Merkel hat sich immer wieder selbst erneuert und solange sie nicht öffentlich vom Amt...
juergen mueller:
Ich bin kein Freund von Herrn Bosbach,da er mit seiner Krankheit meines Erachtens zu sehr hausieren geht,zu jedem Topf den passenden Deckel findet,seine eigene Person für zu wichtig erachtet. In einem muss ich ihm jedoch recht geben - eine Schließung der Gastronomie war/ist ein Fehler,da auf deren...
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