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Stationäres Hospiz im Ahrtal

„Lass uns über den Tod reden“

C. Juliane Vieregge hat Prominente für ihr Buch über den Tod sprechen lassen

„Lass uns über den Tod reden“

Autorin C. Juliane Vieregge. Foto: privat

08.10.2019 - 09:09

Sie kommt, um zu reden. Und um andere zum Reden zu animieren. Und das über ein Thema, das in unserer Gesellschaft ein Tabu ist. Um das zu ändern, hat C. Juliane Vieregge ausführliche Interviews mit 18 prominenten Persönlichkeiten geführt: von Schauspieler und Ex-Gefängnisarzt Joe Bausch und den Schauspielerinnen Katrin Sass und Ulrike Bliefert über Kabarettist Jürgen Busse bis hin zu Musiker Dieter Thomas Kuhn und zum Tübinger Bürgermeister Boris Palmer. Mit der mittlerweile verstorbenen Holocaust-Überlebenden Ilse Rübsteck und Mediziner Axel Nacke hat sie auch zwei Bad Neuenahrer befragt. Das Ergebnis ist in ihrem jüngsten Buch „Lass uns über den Tod reden – ein Buch über Tod und Trauer“ nachzulesen, das sie am Freitag, 25. Oktober, um 18 Uhr im stationären Hospiz, Dorotheenweg 6, vorstellt.

Sie möchten über den Tod reden, warum?

C. Juliane Vieregge: Durch die Grunderfahrung einer tiefen Sprachlosigkeit, während ich meinen Vater bis zu seinem Tod begleitet habe. Als er gestorben ist, war ich als Einzige bei ihm. Ich habe das als Auszeichnung verstanden, mich aber gleichzeitig überfordert gefühlt. Nachdem mein Vater dann gestorben war und ich mit meiner Sterbegeleitung nicht glücklich war, habe ich Bekannte gefragt, wie sie das gemacht haben. Dabei habe ich unheimlich tolle Geschichten gehört.

Das war der Auslöser, das Buch zu schreiben?

C. Juliane Vieregge: Ja, aber der Verlag sagte, es müssten darin Prominente zu Wort kommen, damit das Buch auch Aufmerksamkeit erlangt. Und ich habe sehr lange Gespräche mit diesen Menschen geführt, die eine Verlusterfahrung gemacht haben, teils aber auch beruflich mit dem Tod zu tun haben. Ich wollte wissen: Wie kann ich die noch verbleibende gemeinsame Zeit nutzen, wenn ein geliebter Mensch unheilbar krank ist? Wie kann ich mit meiner Trauer weiterleben? Es ging aber auch in autobiographische Details, weil mich interessierte, wieso die, oder derjenige den Tod soundso sieht.

Kannten Sie denn alle diese Prominenten?

C. Juliane Vieregge: Nein, ich habe mit dem bekannten Tübinger Psychotherapeuten und Buchautor Hans Jellouschek angefangen, der seine krebskranke Frau über zehn Jahre begleitet hat. Über ihn kam ich an den Trauertherapeuten Roland Kachler, der selbst einen Sohn verloren hat. Danach habe ich wahrscheinlich zehn Mal mehr Persönlichkeiten angeschrieben, als in dem Buch nun zu Wort kommen. Es gab Absagen oder auch gar keine Antworten. Aber nachdem ich den Schauspieler und Ex-Gefängnisarzt Joe Bausch interviewt hatte, lief es. Ich habe auch immer dazu geschrieben, wer schon dabei ist.

Und wie haben Sie sie interviewt?

C. Juliane Vieregge: Ich war fast immer bei ihnen Zuhause. Mit Katrin Saas habe ich mich in der Wohnung meiner Freunde in Berlin-Spandau getroffen. Die Holocaust-Überlebende Ilse Rübsteck, geborene Falkenstein, habe ich in ihrer Wohnung im Bad Neuenahrer Wohnstift getroffen. Mein Lebensgefährte, der hier als Arzt tätig ist, kannte sie. Das war eine dieser Begegnungen, die mir gezeigt haben, dass Tod und Schuld eng zusammenhängen. Sie hatte Schuldgefühle, weil sie überlebt hat und ihre Eltern als Juden in Dachau umgekommen sind.

Welche Geschichte hat Sie besonders beeindruckt?

C. Juliane Vieregge: Das waren viele. Immer wieder ging es um das „Nicht-Reden-Wollen“ und ums Verdrängen oder Verleugnen. So etwa bei Jochen Busse. Oft ging es auch um Hoffnung, teilweise mit absurden Auswüchsen: Gisela Getty hat erzählt, dass ihre Zwillingsschwester nur noch 27 Kilo wog und trotzdem gehungert hat, um ihre Tumore „trocken zu legen“. Auch schwierig, das als Begleiter zu akzeptieren. Am schlimmsten war für mich die Geschichte von Arsène Verny. Der Berliner Rechtsanwalt und Hochschulprofessor hatte so eine strahlende, tolle und erfolgreiche Familie. Und dann hat sich der jüngste Sohn nach einer Party aufs S-Bahn-Dach gelegt und ist nicht durch den Tunnel gekommen. Die ganze Familie ist daran zerbrochen. Die Leben jetzt alle alleine.

Das klingt alles sehr traurig....

C. Juliane Vieregge: Ja, aber Trauer setzt unter anderem auch viel Energie frei. Weil sein Sohn Autor werden wollte, hat Arsène Verny eine Lese- und Schreibstiftung für Kinder- und Jugendliche gegründet und gesagt: Jedesmal, wenn er über seine Stiftung rede, nehme er den Namen seines Sohnes in den Mund, und das halte diesen ein Stück lebendig. Das ist auch eine Art mit Trauer umzugehen. Außerdem waren Gespräche wie das mit dem Bad Neuenahrer Onkologen Axel Nacke auch mal witzig. Er ist ein toller Erzähler. Und eine Geschichte wie die von Enno Kalisch ist für mich ein Beispiel, wie Sterbebegleitung wunderbar gelingen kann. So gibt das Buch überraschende, ergreifende und manchmal sogar lustige Antworten.

Was erwarten Sie von der Lesung im Hospiz?

C. Juliane Vieregge: Ich habe vorher noch nie in einem Hospiz gelesen und bin daher sehr gespannt. Ich hatte schon mal eine Lesung vor ehrenamtlich Tätigen in der Hospizarbeit und das war ganz anders als die sonstigen Veranstaltungen. Ich bin immer für alles offen: Fragen, Anmerkungen, die Gestaltung der Lesung. Auch da darf nicht nur zugehört sondern über den Tod geredet werden.

Zur Person: C. Juliane Vieregge

C. Juliane Vieregge ist Autorin, Bloggerin und Online-Journalistin. Sie hat vor ihrem in diesem Jahr erschienenen Werk „Lass uns über den Tod reden“ bereits zwei Romane und mehrere Kurzgeschichten und Essays veröffentlicht. Sie wuchs in Kamen/Westfalen und Essen auf und studierte Theologie, Germanistik und Kunstgeschichte. Vieregge lebt und arbeitet als Lehrerin in Tübingen, verbringt aber auch viel Zeit an der Ahr, weil ihr Lebensgefährte in Bad Neuenahr-Ahrweiler wohnt.

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Kommentare
juergen mueller:
Die SPD ist weder sozial noch bunt. Das letzte Aufbäumen einer Partei, der schon lange nichts mehr einfällt, ausser REDEN. Die deutsche Politik allgemein ist letzten Endes gar nicht bereit, um Besserungen zu bewirken - macht was sie will, verpulvert Millionen an Steuergelder - der Dumme ist der Steuerzahler - drückt sich vor ihren Aufgaben, legt ein Showgehabe an den Tag und zwar kommunal, landes- wie vor allem bundesweit, dass es einen nur noch ankotzt. Wie TV-Philosoph Precht mit Recht sagt:"Wir leben in einer (kranken) Gesellschaft, in der die Eliten das untere Drittel aufgegeben haben". Die Zahl der Menschen, die Gefahr laufen, da weiter herunterzurutschen, ist enorm - Dank einer Politikerkaste, die in erster Linie nur an sich denkt - baut sie Scheiße, wird ohne Konsequenz zurückgetreten.
K. Schmidt:
Das Schlimme ist ja eigentlich, dass es vermutlich wirklich eine nennenswerte Zahl von Leuten gibt, die glauben, mit bunten Lichtern in der Hand tatsächlich etwas bewirken zu können. Man könnte genauso gut Aktionen erfinden wie z.B. "Käsebrot für den Weltfrieden", und jeder der morgens ein Käsebrot frühstückt kann sich als Hüter des Weltfriedens feiern. Das ist der Welt und den Kriegstreibern zwar egal, aber fürs eigene Gemüt hat man was tolles auf die Beine gestellt. So wird auch dieser bunte Laternenumzug. Stupide Symbolpolitik, von Menschen die außer solchen Symbolen ansonsten wenig bewirken, gegen Menschen denen die Symbolik am Allerwertesten vorbeigehen wird. So wird die AfD nicht geschwächt, die SPD nicht wieder erstärken, und die Welt nicht verändert.
Stefan Knoll:
Man muß kein Fan der SPD sein, um diesen absolut notwendigen Widerstand gegen die AfD zu unterstützen. Gerade bei der AfD Rheinland-Pfalz potenziert sich stark rechtes Gedankengut und politische Unfähigkeit zur einer höchst gefährlichen Mischung. Genannt seien hier nur die Namen des rheinland-pfälzischen AfD-Landesvorsitzenden Uwe Junge und Justin Cedric Salka, dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden der AfD Westerwald, die beide im Verfassungsschutzbericht zur AfD erwähnt werden.
Juri Kanzow:
Sie war, trotz anderem Bemühen, nicht echt. Die Gossensprache der Frau Nahles kam unwirklich und gekünstelt herüber - und genau das ist eben nicht das Kennzeichen der echten Gossensprache. Die Frau wollte sich mit der Gossensprache bei den Kleinen Leuten anbiedern. Die aber durchschauten, dass da ein Emporkömmling es in die abgehobene Paukerkommune namens SPD-Führung geschafft hatte und in Wirklichkeit von oben herunter abwimmelte und vernebelte. Den katastrophalen Druck, den die unkontrollierte Einwanderung auf die Kleinen Leute ausübte (ihre bezahlbaren Wohnungen fast weg, ungekannter Konkurrenzkampf um schlecht bezahlte Arbeitsplätze trotz Mindestlohn, Sozialleistungen fast pari für deutsche Malocher und entlegene Einwanderer usw.) hat Frau Nahles konsequent in die rechte Ecke verschoben und das SPD-Desaster damit katalysiert. Der Absturz ins Bodenlose geht für die Partei so lange weiter, wie die genannten Themen auf dem Verbots-Index der Partei stehen.
Wally Karl:
Gott sei Dank!
Horst Daleki :
Ich kenne seit ihrem 17 Lebensjahr sie hat am Ende richtig gemacht leider hat sie meine Wahrung vor den Schmarotzer und Schleimer nicht wahrgenommen.
Uwe Klasen:
In einem Dokument auf der Webseite von AI zeigt diese NGO, dass Objektivität, Wahrheit und Wissenschaftlichkeit für sie keine Rolle spielen, wenn es um Israel geht. Damit ist AI als sogenannte "Menschenrechtsgruppe" gut Aufgehoben unter den Antisemiten dieser Welt!
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