Allgemeine Berichte | 20.11.2023

Dr. Jens Friedhoff referiert über die Stadtmauer von Oberlahnstein im 18. und 19. Jahrhundert

„Baufällig und entbehrlich“

Oberlahnstein – Zeichnung von Wilhelm Dilich (Ausschnitt), um 1608/1609.  Foto: Bildvorlage: Alexander Thon M. A., Lahnstein

Lahnstein. Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe der Dämmerschoppen im Kalenderjahr 2023 konnte die Kaiser Ruprecht Bruderschaft mit Dr. Jens Friedhoff aus Hachenburg/Braubach ein weiteres Mal einen hochkarätigen Redner präsentieren. Dr. Friedhoff widmete sich bei seinem Vortrag in der Lahnsteiner Hospitalkapelle dabei einem bisher nur wenig und unzureichend untersuchten Forschungsgebiet: der in ihren Anfängen bis in das Spätmittelalter zurückreichenden Stadtmauer der mainzischen Stadt Oberlahnstein.

Der Referent verwies zunächst auf die zur Verfügung stehenden Quellen für eine wissenschaftliche Untersuchung der Spätgeschichte der Stadtbefestigung und präsentierte dabei eindrucksvolle Beispiele an bekannten, aber auch unbekannte Schrift- und Bildquellen. Wichtig war dabei der Hinweis, dass die allgemeine Annahme, die Befestigungen seien unmittelbar nach der Stadtrechtsverleihung im Jahr 1324 errichtet worden, zu kurz greift. So ist es keineswegs unmöglich, dass einzelne Teile schon zuvor vorhanden waren. Zudem ist die Bezeichnung einzelner Gebäude, so vor allem der Türme, keineswegs einheitlich.

Nach ihrer Hochzeit im Spätmittelalter verlor die imposante Mauer rasch an Bedeutung, so dass sich Ende des 18. Jahrhunderts sowohl der mainzischen Verwaltung als auch der Bevölkerung die Frage stellte: Abbruch oder Erhaltung? Zahlreiche Gründe – Verlust der militärischen Funktion, Verkehrsbeeinträchtigung, Hemmnis für Ausdehnung der Stadt, hohe Instandhaltungskosten und gar eine „Verursachung geringer Luftzufuhr“ – sprachen für einen Abbruch der Anlagen, denen zu dieser Zeit kein Denkmalwert zuerkannt wurde. Auch waren Teile davon bereits überbaut oder baulich stark beeinträchtigt, nur einzelne Türme wurden zu Wohnzwecken oder als Gefängnis und wenige Arkaden der Mauer zu Ställen und Schuppen ausgebaut. Und so kam es, wie es kommen musste: 1810/11 wurden die Vortore, 1818 das Obertor, 1821 das Viehtor und 1838 das Michaelstor abgebrochen. 1822 folgte die Versteigerung von weiten Teilen der noch vorhandenen Befestigungen, wobei mehrere Türme in bürgerliche Hand kamen, bevor der Bau der Eisenbahn ab 1861/62 den Verlust des Graunturms und letztlich auch des Schlosshofturms (1907/1908) zur Folge hatte. Ein schönes Beispiel für die glückliche Erhaltung eines Bauwerks bietet der Folterturm am Salhofplatz, der 1810 an den preußische Rentmeister Gosebruch verkauft worden war und von diesem trotz Gutachtensaussage als „baufällig und gnädigster Herrschaft entbehrlich“ nicht abgerissen worden ist. Kuriosum am Rande: Teile des Stadtgrabens wurden schon seit 1870 von einer Brauerei überbaut und als Bierkeller verwendet.

Während die erhaltenen Türme noch heute einen deutlichen Akzent in der Silhouette der Stadt setzen, ist von der eigentlichen Stadtmauer nur vergleichsweise wenig originale, unsanierte Bausubstanz erhalten. Friedhoff plädierte nicht allein deswegen vernehmlich dafür, eine bisher noch brach liegende Mauerpartie nahe der Burg Lahnstein (heute fälschlich „Martinsburg“ oder „Martinsschloss“ genannt) zu sichern und mit Blick auf die bevorstehende Bundesgartenschau in Wert zu setzen.

Das begeisterte Publikum dankte dem Referenten mit lang anhaltendem Applaus für seine grundlegenden Ausführungen. Die anschließende, äußerst lebhafte Diskussion erbrachte weitere Erkenntnisse und Anregungen und endete erst nach einer guten halben Stunde. Bruderschaftskanzler Alexander Thon dankte Referent und Gästen herzlich für ihr Kommen und lud mit allen guten Wünschen bei einem Glas Wein schon jetzt zu den Veranstaltungen des Jahres 2024 ein.

Oberlahnstein – Zeichnung von Wilhelm Dilich (Ausschnitt), um 1608/1609. Foto: Bildvorlage: Alexander Thon M. A., Lahnstein

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