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Blick aktuell sprach mit dem ehemaligen Geschäftsführer von Rathscheck Schiefer, Ewald A. Hoppen

Hoppen: „Abbaubaren Moselschiefer gibt es vor Ort genug“

Alternativen für geplante Einstellung des Schieferbergbaues in Mayen

15.08.2018 - 15:43

BLICK aktuell: Herr Hoppen, wie haben Sie als ehemaliger Geschäftsführer der Firma Rathscheck auf die Nachricht von der geplanten Schließung des Schieferbergwerks der Firma reagiert?

Ewald A. Hoppen: Ich bin sehr enttäuscht und leide mit den Mitarbeitern und ihren Familien. Es ist blamabel, dass ein erfolgreicher Teil der regionalen Industriegeschichte, die mit unglaublich viel Positivem verbunden ist, so zu Ende gehen soll. Die Bergwerksschließung ist für mich unverständlich, da ich bei meinem Ausscheiden als Geschäftsführer sicher war, dass die Schiefervorkommen in Mayen ausreichen, um das Bergwerk langfristig weiter betreiben zu können.

BLICK aktuell: Die Firma Rathscheck begründet die Schließung des Bergwerks mit der „enormen Häufung von Gesteinsfehlern in der Lagerstätte“, die einen weiteren rentablen Abbau des Moselschiefers unmöglich mache. Wie bewerten Sie als langjähriger Kenner der Materie diese Aussage?

Ewald A. Hoppen: Zunächst ist erwähnenswert, dass Schieferabbau und -Bearbeitung schon ein sehr komplexes Thema ist. Egal ob unter Tage oder wie in vielen anderen Ländern in übertägigen Brüchen. Er ist nicht vergleichbar mit üblichem Gesteinsabbau oder anderen Bodenschätzen. Schieferabbau erfordert von der Unternehmensführung eine ständige, intensive Beschäftigung mit dem Produktionsprozess. Dazu benötigt man Fachkenntnisse, Fleiß, eine vorausschauende Abbau-Planung und mutige unternehmerische Entscheidungen. Die Aussage, dass die geologischen Probleme einen weiteren Schieferabbau unmöglich machen, kann von niemandem kurzfristig überprüft werden, ebenso wie gemachte Abbaufehler im Nachhinein kaum nachzuweisen sind. Die geologischen Verhältnisse bei Schiefer sind nie einfach, das ist überall so und auch am Katzenberg war das in den vergangenen Jahrzehnten nie anders. Da muss man sich halt laufend drum kümmern.

BLICK aktuell: Welche Faktoren haben Ihrer Meinung die bedauerliche Entscheidung der Bergwerkschließung begünstigt?

Ewald A. Hoppen: Ich vermute, dass Managementfehler diese krisenhafte Zuspitzung bei der Schieferproduktion begünstigt haben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass derjenige, der ein Schieferbergwerk betreibt und leitet, sich stetig durch die persönliche Befahrung des Bergwerks ein Bild vom Schieferabbau unter Tage machen muss, um alles in die richtige Richtung zu lenken. Man muss die aktuellen Produktionsprozesse beobachten, um auf auftretende Probleme sofort angemessen reagieren zu können.

Man braucht sich eigentlich nur die seit Jahren außergewöhnlich wachsende Schutthalde der Firma von der Umgehung aus anzusehen, um als Kenner zu staunen. Mit geologischen Problemen hatte man in den vergangenen Jahrzehnten im Schieferbergbau in Mayen immer zu tun. Sie wurden aber nie zu einer Existenzfrage für das Bergwerk. Wenn die nun gestellt wird, sollte man nicht nur auf die „Geologie“ verweisen. Den Hinweis auf „geologische Probleme“ und Gesteinsstörungen kann man auch als Ausrede für falsche Entscheidungen nutzen.

BLICK aktuell: Sie sehen als Kenner des Unternehmens die Problemlagen also nicht nur unter Tage?

Ewald A. Hoppen: Die Führungskompetenz und Glaubwürdigkeit ist ein ganz zentraler Faktor für den Erfolg eines Unternehmens. Mit einer anhaltend demotivierten Mannschaft kann man nämlich kein Spiel gewinnen. Wenn man sich die sicher existierende Liste der Personal-Zu- und Abgänge im letzten Jahrzehnt ansehen würde, spräche das Ergebnis wie anderes sicher nicht für eine motivierende Unternehmenskultur.

BLICK aktuell: Wir möchten auf die Begründung der Schließung des Schieferbergwerks durch geologische Probleme abschließend zurückkommen. Können Sie uns für unsere Leser verständlich erklären, was man hätte tun müssen, um eine langfristige Schieferproduktion vor Ort zu sichern?

Ewald A. Hoppen: Die notwendigen Schiefervorkommen sind vorhanden. Der Schieferabbau erfordert die ständige Bereithaltung von alternativen Abbaustellen. Wenn es in der einen Abbaustelle Störungen gibt, muss man auf die andere dafür vorbereitete sofort ausweichen können. Die Störungsstelle wird jeweils weiter durchfahren bis es wieder, scherzhaft, den „Speck“ gibt. Das ist eine stetige Aufgabe. Mittel- und langfristig müssen neue Richten, neue „Speckstellen“, erkundet werden, was natürlich ständige Finanzaufwendungen erfordert. Wenn das nicht geschieht, kommt der Absturz. Und man sollte auch nicht einfallslos immer nur weiter in die Tiefe gehen. Es lassen sich, vereinfacht ausgedrückt, auch in der Breite und der Länge neue Abbaustellen erkunden.

BLICK aktuell: Nun lassen sich unerwartete geologische Schwierigkeiten bei der Förderung des Schiefers vielleicht doch nicht ganz ausschließen, zumal wenn die Geschäftsführung auf die Rentabilität achten muss. Gibt es für die Firma Rathscheck Alternativen, wenn das gegenwärtige Bergwerk wirklich keine Abbaukapazitäten mehr haben sollte?

Ewald A. Hoppen: Zunächst hätte man das sogenannte Katzenberg-Lager weiter erkunden können. Auf der gegenüberliegenden Seite der Nette befinden sich zudem ebenfalls weitere Schiefervorkommen. Dazu wurde in den Jahren 2004 und 2005 ein komplettes Erkundungsprojekt fertig erarbeitet. Und völlig verschwiegen wird von der Geschäftsführung das benachbarte Moselschiefer-Bergwerk Margareta. Das haben wir seinerzeit hochmodern mit einer LKW-befahrbaren Wendelrampe bis ca. 100 Meter Teufe erschlossen. Zur Zukunftsstrategie des Unternehmens gehörte es damals aus guten Gründen, dort weitere Erkundungen zu betreiben. Es sollte aber nicht in zwei Bergwerken gleichzeitig produziert werden. Margareta ist meines Wissens gut aufrechterhalten worden und wenn die Erkundungen nicht versäumt worden sind, könnten Schieferblöcke mit Lastkraftwagen von dem Bergwerk Margareta zum Katzenberg zur Bearbeitung gefahren werden. Dazu wurden am Katzenberg die zentralen Produktionshallen erstellt.

Blick aktuell: In der Petition der Mitarbeiter wird eine Fortführung der Moselschiefer-Produktion in Mayen gefordert. Ist eine solche Perspektive aus Ihrer Sicht realistisch? Können das Bergwerk und die Arbeitsplätze noch gerettet werden?

Ewald A. Hoppen : Rettung mit ziemlich viel Aufwand ja. Aber nur mit einem Wechsel des Führungspersonals.

BLICK aktuell: Wie beurteilen Sie die Zukunftsperspektiven des Unternehmens, wenn es bei der Schließung des Bergwerks in Mayen bleibt?

Ewald A. Hoppen: Ich will nicht schwarzmalen, aber bei dem Verlust des Alleinstellungsmerkmals „Moselschiefer“ wird eine Verteidigung der in Jahrzehnten erarbeiteten Position der Marktführerschaft schon sehr schwierig. Rathscheck hat sich bisher dadurch behaupten können, weil das Unternehmen mit der eigenen Schieferproduktion ein unverwechselbares Kompetenz- und Imageprofil hatte. Die eigene Moselschieferproduktion ist nun mal Teil der „DNA“ dieses Traditionsunternehmens. Wenn dieses Element fehlt, ist die Gefahr groß, dass Rathscheck auf die Normalität anderer Anbieter oder möglicher neuer Importeure abrutscht. Zudem ist nicht auszuschließen, dass Schiefer als ein Nischen-Produkt den Marktführer verliert und so dieser Baustoff gegenüber anderen Produkten Marktanteile einbüßt-Anzeige. Dies ist ein Szenario, das niemand ausschließen kann. Es wäre ein Trauerspiel, das vermeidbar gewesen wäre.

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Kommentare
Armin Linden:
Fest steht, das der Kreis AW. mittlerweile bereits das grösste Altersheim im nördlichen RP. darstellt. In der Hoch-Eifel bereitsganze Gebiete "€ntvölkert". Das war vor 3O J. noch anders. Junge Leute - speziell Deutsche - gut ausgebildet, wandern aus. Die Gründe für Insider teils klar. Eine Migration enorm im Zulauf im AW.-Kreis. die Ökonomie des €. bestimmt dort die Einstellung & Gesinnung ! Industrie in MY-KO. auch weit grösser. Ich fürchte, die nächsten 2O J. wird sich vieles ändern. Besonders die völlige Unterschätzung u. das Ausbluten der "Eigenen Systeme" in der Migration. Für "eigene Landsleute u. Studenten" gab es keine Bürgen mit Winke.Winke.Syndrom. Das dürfe u. müsste auch dem BlickAktuell bekannt sein. Soviel Charakter sollte sein. Auch in der Veröffentlichung. A.L.
Armin Linden:
Das Thema, ist + wird in der Zukunft NICHT vom Tische sein. Auch selbst in der CDU gibt es - ausserhalb RP.- genügend Fachleute, die noch in der Realität zu Hause sind. Die Demographie im Kr. AW. ist dermaßen hoch, die Ausdünnung in der Besiedlung (Land) gravierend. In der Eifel, teils "Leer-Raum". In BNA - kaum Kinder u. Jugendliche mehr ! Außer Migration.- Gründe wohl Ökonomischer Natur. Das Kulturprogramm (Rollator-Krankenstühle) ausgerichtet. Der Vorteil Mayen-Koblenz allerdings, wesentlich mehr Industrie & Junge Leute ! Es sind rd. 4 Millionen gut ausgebildete JUNGE Deutsche Mädchen u. Jungs, nach der UNI bereits ausgewandert. Österreich - CH - Alle Nordländer - USA. Man lebt besser. Verdient mehr. Rente Faktor 3-5 ! Medizin (Privat). Nein, für vieles ist es leider zu spät. Der AW-Kreis wird zu den abgehängten einmal zählen. Auch die SPD.FDP wusste es. Sorgte aber für den Aufschwung West.Nord Africa - Maroco -Syrien.Lybien. Damit ist in England jetzt Schluss !
Uwe Klasen:
So sollten Schüler und Studenten für die Zukunft sorgen, mit Erfindungen und guten Ideen das Land und die Menschheit voran bringen und nicht sich instrumentalisieren lassen zum sogenannten "Friday for Future"!
juergen mueller:
Es geht hier nicht um Verteufelung, sondern einzig und alleine darum, dieser Veranstaltung etwas positives abzugewinnen, was ich nicht tue. Anstatt auf die Strasse zu gehen und Transparente hochzuhalten oder Sprüche (wie die von Anne) vom Stapel zu lassen, gibt es in vielfältiger Weise Dinge, etwas für EURE Zukunft zu tun, ohne laut zu werden. Laut ist unsere heutige Jugend eh schon bis zur Unerträglichkeit und zwar ohne positive Ergebnisse. Dass meine Generation eure Zukunft klaut ist ganz einfach nur das Ergebnis von Faulheit beim Denken. Ihr macht es euch zu einfach, wenn ihr denkt, wenn ihr auf die Strasse geht, dass sich dadurch etwas ändert. Steht ihr irgendwann einmal im Berufsleben (oder auch nicht), dann ist für viele von euch nur noch eines wichtig - dass es euch persönlich gut geht ... hierbei an andere zu denken, das ist dann nebensächlich u.egal ... das nennt man fortschreitende negative Entwicklung unserer Gesellschaft im ICH-Denken.
Anne:
Also an alle die schreiben das wir schwänzen. Nein das tun wir nicht! Wir haben unsere Lehrer und Direktoren gefragt und die haben dies ausdrücklich unterstützt und beführwortet. Uns liegt etwas an unserer Zukunft. Wir waren da, Wir waren laut, Weil Ihr unsere Zukunft klaut!
Lara :
Schade, dass die Aktion anscheinend so verteufelt wird. Es geht nicht um Lernverweigerung, sondern darum ein Zeichen zu setzten! Ich finde, dass vier Stunden Unterricht nicht mit dem Einsatz für unsere (!) Zukunft in Relation zu setzten ist. Waren zum allergrößten Teil engagierte Jugendliche, die ein ernstes Interesse haben :-)
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