Neuwahlen beim Kreisparteitag der SPD im Kreis Ahrweiler

Marcel Hürter löst Bernd Lang als Kreisvorsitzenden ab

Stehende Ovationen zeigten, dass große Hoffnungen in den neuen Vorsitzenden gesetzt werden

Marcel Hürter löst Bernd Lang
als Kreisvorsitzenden ab

Der langjährige SPD-Kreisvorsitzende Bernd Lang (links) übergab die Leitung der Kreispartei an Marcel Hürter (Mitte). Die weiteren Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands (von links): Schatzmeister Tobias Paetz, Geschäftsführer Jörn Kampmann, die stellvertretenden Vorsitzenden Leo Bell und Petra Elsner, Schriftführer Dr. Axel Friedrich und stellvertretender Vorsitzender Udo Klein. Foto: JOST

18.07.2016 - 12:37

Kreis Ahrweiler. „Wenn sich ein guter Nachfolger anbietet, darf man diese Gelegenheit nicht ungenutzt vorüberziehen lassen.“ So erklärte der langjährige SPD-Kreisvorsitzende Bernd Lang (Bad Breisig), warum er beim Kreisparteitag der Sozialdemokraten nach über 24 Jahren nicht mehr für das Amt des Vorsitzenden kandidierte. Zu seinem Nachfolger wählten die Delegierten im Hotel Krupp in Bad Neuenahr den 36-jährigen Marcel Hürter (Wassenach) mit 54 Ja-Stimmen bei einem Nein und einer Enthaltung. Stehende Ovationen der Delegierten zeigten, dass man große Hoffnungen in den neuen Vorsitzenden setzt. Dieser war bis zur Landtagswahl am 13. März für eine Legislaturperiode Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtags und wird ab September wieder im Höheren Dienst bei der Mainzer Landesverwaltung arbeiten, wo er schon zuvor tätig war. Der Diplom-Volkswirt ist verheiratet und Vater zweier Töchter.


Verjüngung der Kreispartei weiter fortführen


Besonders innerparteilich will Hürter für frischen Wind sorgen und die bereits deutlich sichtbare Verjüngung der 691 Mitglieder starken Kreispartei und ihrer Mandatsträger weiter fortführen. Die Anliegen der Parteimitglieder sollen stärker berücksichtigt und die Partei insgesamt mehr geöffnet werden. So wolle man künftig mehr mit den Vereinen, Institutionen und Verbänden im Kreis zusammenarbeiten und deren Repräsentanten auch zu gemeinsamen Vorstandssitzungen einladen. Für die 2017 bevorstehende Bundestagswahl will er die Partei gut aufstellen und so mit dazu beitragen, dass die amtierende Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, als Wahlkreiskandidaten der SPD ein gutes Ergebnis erreicht. Auf Kreisebene will sich Hürter dafür einsetzen, dass die guten Rahmenbedingungen für die Schulen, Schüler und Lehrer im Kreis Ahrweiler weiter fortgesetzt werde. Hier zögen ohnehin alle Parteien im Kreistag an einem Strick, freute er sich. Den Kreis Ahrweiler sieht er insgesamt in vielen Bereichen gut aufgestellt, doch um dies zu bewahren, müsse die Verkehrsinfrastruktur erhalten und weiter ausgebaut werden. Der geplante Lückenschluss der Autobahn A1 sei überaus wichtig für die Region, darüber hinaus müsse aber auch die Qualität der Bahnhöfe verbessert werden, um den öffentlichen Personennahverkehr noch attraktiver zu gestalten.


Verstärkt um Gerechtigkeit kümmern


Die SPD wolle sich als linke Partei künftig verstärkt um die Gerechtigkeit kümmern und glaube als progressive Partei auch daran, dass man eine bessere Gesellschaft erreichen könne. Als zutiefst demokratische Partei soll auch künftig eine offene und lebendige Diskussion geführt werden, bei der man sich auch einmal in aller Freundschaft streiten könne, um bessere Ergebnisse zu erzielen. „Politik braucht Leidenschaft“, war Hürter überzeugt und plädierte dafür, keine allzu große Distanz zu den Menschen und zu den Dingen aufkommen zu lassen. Außerdem wünschte er sich: „Wir müssen kämpferischer werden.“ Zuvor hatte der scheidende Kreisvorsitzende Bernd Lang, der der Kreis-SPD seit 1996 und zuvor schon einmal vier Jahre vorstand, einen Bericht über die vergangenen beiden Jahre gegeben. Die Kreis-SPD habe einen außerordentlich engagierten Landtagswahlkampf geführt für ihre beiden Kandidaten Jörn Kampmann und Marcel Hürter. Zwar habe die SPD im Land ein tolles Ergebnis erreicht, dass viele im Vorfeld nicht erwartet hätten. Leider habe es für die beiden einheimischen Kandidaten dennoch nicht gereicht, „aber auch davon werden wir uns nicht entmutigen lassen.“


Falsche Entscheidung verursachte unermesslichen Schaden


Auf Kreisebene stünden fünf Themen an, so Lang. Das Programm „Bildung von Anfang an“ müsse weitergeführt und die Energiewende intensiv fortgesetzt werden. Das Projekt „Gut Leben im Alter“ müsse man vor Ort konkret in die Praxis umsetzen und zudem die Internetanbindung im ländlichen Raum voranbringen. Abgesehen davon sei das Bonn-Berlin-Gesetz geltendes Recht und damit nicht verhandelbar. Der „politischen Konkurrenz“ im Ahrkreis kreidete Lang vor allem an, dass der Kreis durch den unterbliebenen Verkauf der RWE-Aktien im Herbst 2006 mehr als 40 Millionen Euro verloren habe. „Durch die falsche Entscheidung von CDU und FWG ist am Vermögen des Landkreises ein unermesslicher Schaden entstanden“, schüttelte er den Kopf. Andere Städte und Landkreise hätten ihre Anteile rechtzeitig veräußert und sich so entschuldet. Im Gegenzug zählte er auf, was die SPD-geführten Landesregierungen seit 1991 im Kreis Ahrweiler bewirkt hätten. Er nannte den RheinAhrCampus Remagen und die Europäische Akademie für Technikfolgenabschätzung in Bad Neuenahr ebenso wie das Arp-Museum in Remagen-Rolandseck nach den Plänen von Richard Meier. Fünf Realschulen plus seien im Kreis gegründet, dazu die Integrierte Gesamtschule Remagen, und die Sanierung der Schulen im Kreis habe das Land durch hohe Zuschüsse unterstützt, so der ehemalige Hauptschullehrer. Es habe aber auch Rückschläge gegeben, „die am Nürburgring waren am bittersten.“ Es gebe aber Anzeichen, dass dort nach der Privatisierung ein Neustart möglich sei. Auch die Absicht, dort einen Studiengang „Sportmanagement mit Schwerpunkt Motorsport“ einzurichten, lasse aufhorchen, ebenso die Pläne, „Rock am Ring“ zurückzuholen. Ob beides auch tatsächlich gelinge, müsse man abwarten.


Vorstand wurde neu gewählt


Für die drei zu vergebenden Posten als stellvertretende Vorsitzende kandidierte bei den Vorstandsneuwahlen vier Sozialdemokraten. Gewählt wurden am Ende Petra Elsner (Bad Neuenahr-Ahrweiler), Leo Bell (Bad Breisig/Brohl-Lützing) und Udo Klein (Grafschaft); Erika Rebatschek (Adenau) ging leer aus. Einstimmig wiedergewählt wurden Geschäftsführer und Pressewart Jörn Kampmann (Bad Neuenahr-Ahrweiler) und Tobias Paetz (Bad Neuenahr-Ahrweiler), letzterer mit einer Enthaltung. Eine Gegenstimme und zwei Enthaltungen gab es bei der Wahl des neuen Schriftführers Dr. Axel Friedrich (Sinzig). Schließlich wurden auch noch 18 Beisitzer gewählt: Dr. Markus Behnke (Oberwinter), Dr. Sigrid Dehmelt (Kalenborn), Lorenz Denn (Oberwinter), Winfried Glaser (Oberwinter), Sebastian Goerke (Bad Breisig/Brohl-Lützing), Andreas Herrmens (Altenahr), Irmgard Köhler-Regnéry (Bad Breisig/Brohl-Lützing), Fritz Langenhorst (Bad Neuenahr-Ahrweiler), Jörg Loosen (Oberwinter), Hubert Münch (Grafschaft), Sascha Nücken (Adenau), Christian Radtke (Remagen), Erik Rebatschek (Adenau), Christoph Schmitt (Niederzissen), Motee Spanier (Remagen), Ingo Terschanski (Sinzig), Laura Tuchscheerer (Remagen) und Nikolay Vasilev (Bad Neuenahr-Ahrweiler). JOST

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Kommentare
juergen mueller:
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Sabine Weber-Graeff:
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