Hochklassiges Oratorium zum 500. Jahrestag der Reformation in Wirges

Musikalisches Highlight begeisterte

07.11.2017 - 08:44

Wirges. Die evangelische Martin-Luther-Kirchengemeinde in Wirges hatte sich zum 500. Jahrestag der Reformation ein für unsere Region nicht alltägliches musikalisches Highlight einfallen lassen. Zu Ehren von Martin Luther wurde das Oratorium „Wege zur Freiheit“ im Bürgerhaus von Wirges aufgeführt. Im fast ausverkauften Bürgerhaus wurde den begeisterten Zuschauern, und vor allen Dingen Zuhörern, ein Festschmaus für Augen und Ohren geboten. Ohne das Können und Mitwirken der anderen Beteiligten zu mindern, steht bei diesem Oratorium der Komponist, Dirigent und Pianist Thomas Glanc im Mittelpunkt. Ihm ist es zu verdanken, dass durch Eigenkompositionen und Interpretationen weltbekannter Werke ein schier unbeschreibliches Musikerlebnis entstand. Wer glaubte, bei einem Oratorium ginge es ruhig und beschaulich zu, der war in Wirges am falschen Ort. Thomas Glanc hatte sich mit Musikern umgeben, die in der Einheit des Gospelchores und des Rheinischen Orchesters, oder als Solisten wie u.a. Natalie Pliester ( Mezzosopran und Pop-Gesang ), Victoria Künstler ( Sopran ), Nadja Namiro ( Mezzosopran ), Ewa Kluza, Piotr Wnukowski, Jurii Nikolv ( Tenor ), Dilan Kushev ( Bariton ), mit stimmlichen Höchstleistungen das Publikum in ihren Bann zogen. Während des fast dreistündigen Konzertes, nur unterbrochen von einer viertelstündigen Pause, stand Glanc mit seiner sehr temperamentvollen Gestik und Mimik, dabei mit dem ganzen Körper arbeitend, vor den Musikern und führte diese trotzdem fordernd, aber behutsam, von einem Werk zum anderen. Diesen Einklang konnte man im Saal spüren, eine Folge des blinden Vertrauens der Musikerinnen und Musiker in „ihren“ Dirigenten.



Thomas Glanc begeisterte das Publikum


Selbst am Klavier sitzend, betätigte Glanc mit einer Hand die Tasten, während die andere Hand die Einsätze für Chor und Orchester vorgab. Die Energie, Kraft und Freude, die von der Bühne ausging, übertrug sich von Anfang an auf das gebannte Publikum. Die Eigenkompositionen und Interpretationen waren nicht unbedingt mit herkömmlicher sakraler Musik vergleichbar. Das war wohl auch ein Hauptanliegen von Thomas Glanc, den Enthusiasmus und das Lebendige im Schaffen von Martin Luther musikalisch dazustellen. Im Wechsel der beteiligten Künstler, mal das Orchester alleine, dann Solisten mit Chor und Band, dann wieder Chor, Band und Orchester oder Chor, Solisten, Piano und Streichquartett, wurde ein regelrechtes Feuerwerk gezündet, das einem kaum die Luft zum Atmen ließ. Die Ovationen zwischen denStücken belohnten die exzellenten Künstler natürlich ausreichend. Wenn man sich im Saal umsah, konnten wippende Füße während der Vorträge beobachtet werden. Es ist schon ein unglaublicher Akt, wie es Thomas Glanc gelungen ist, nationale und internationale, renommierte Künstler für sein Projekt zu gewinnen und zu begeistern, immerhin stammen die Solisten aus Bulgarien, Polen, Südafrika, den USA und Deutschland. Das geht wohl nur, weil Glanc selbst in der Fachwelt hoch angesehen ist, er ist u.a. Leiter einer Musikschule, künstlerischer Leiter von vier Musikfestivals und Juryvorsitzender von Klassik-Wettbewerben in Deutschland und Polen. Zu seinem musikalischen Schaffen gehören ca. 6200 Seiten Partitur mit rund 900 Titeln. Glanc findet den Spagat zwischen der Klassik und der Moderne. So fließen auch Jazz- und Dixie-Elemente und Gospelsongs in seine Werke ein. Bei einem kirchlich angehauchten Oratorium dürfte es wohl eher die Ausnahme sein, dass auf der Bühne ein komplettes Schlagzeug, sowie eine Bass-Gitarre bereit stehen, die bei einigen Liedern temperamentvoll eingesetzt wurden. Welche Mühe und welche Begeisterung muss hinter den Künstlern gesteckt haben, innerhalb von nur einem guten halben Jahres dieses fantastische Werk einzustudieren und glanzvoll zu präsentieren? In den Augen des nüchternen Betrachters konnte das nur gelingen, weil alle an den Erfolg geglaubt haben und sich von dem Willen und der Überzeugungskraft des Thomas Glanc haben anstecken lassen. Zwischen den einzelnen Werken trug Jan Schneider kurze Texte vor, sorgfältig ausgewählt, passend zu Martin Luther und dessen Leben und Wirken.


Breitgefächertes Programm gefiel


Das Galakonzert bestach durch die Vielfältigkeit der Auswahl der Werke. Dem weltberühmten „Halleluja“ von Leonhard Cohen folgte „Kyrie“ mit Orchester, Chor und Solisten, dem „Ave Maria“ folgte „Amazing grace“, „Santa Lucia“ mit Solisten und Streichquartett wurde genauso begeistert gefeiert, wie die Gospelsongs „Go down Moses“ und „When the Saints go marching in“. Bei den Gospelsongs, unterstützt von Anthony Floyd, einem farbigen Singer Songwriter, waren die Künstler und das Publikum nicht mehr zu halten. Tanzen und Singen auf der Bühne, Standing Ovations und rhythmisches Mitklatschen im Saal, das Bürgerhaus bebte. Gänsehaut erzeugte der Startenor Jurii Nikolv, als er, begleitet von Band und Orchester, „Time to say goodbye“ als letzten Punkt des Programms in ungeahnte stimmliche Höhen führte. Minutenlanges Applaudieren und Rufe nach Zugaben dankten den Künstlern. Das Gesamtkonzept ging voll auf, auf der Bühne stand eine Einheit, jeder für sich etwas Besonderes. Den glücklichen Besuchern wurde ein unvergesslicher Abend geschenkt, den die, die dabei waren, so schnell nicht vergessen werden. Pfarrer Wehrmann, von der evangelischen Martin-Luther-Kirchengemeinde Wirges, überreichte einen edlen Tropfen an Thomas Glanc, stellvertretend für alle Künstler, als kleines, bescheidenes Dankeschön für den erlebten Kunstgenuss.

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Manfred Möser22:
Hier sollten lieber Bäume gepflanzt werden, die brauchen CO 2 und erzeuven noch Sauerstoff. ...
juergen mueller:
In (fast) perfekter Logistik haben die Deutschen schon immer einen Spitzenplatz eingenommen. Aber was nützt das alles, wenn es an einem Bestandteil fehlt, der diese Logistik erst zum Blühen bringt. Dieses deutsche "Perfekt" hat noch immer einen Haken, wie auch jetzt, gehabt. Aber das spricht man,...
juergen mueller:
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