Allgemeine Berichte | 28.04.2020, 13:06 Uhr

Grußwort der katholischen und evangelischen Kirchen Bonn/Rhein-Sieg

Ramadan-Gruß: Zwar getrennt, aber gemeinsam beten

Bonn/Rhein-Sieg. „Wir fühlen mit Ihnen, wie schwer es fällt, auf das gemeinsame Gebet und die Iftar-Essen in größerem Kreis zu verzichten.“ Das schreiben die Leitenden Geistlichen des Katholischen Stadtdekanates Bonn und der drei Evangelischen Kirchenkreise An Sieg und Rhein, Bad Godesberg-Voreifel und Bonn in ihrem Ramadan-Gruß an die muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Neben dem Fasten mache die Corona-Krise den Ramadan in diesem Jahr zu einer großen Herausforderung. Zugleich machen die Unterzeichnenden Mut, zwar räumlich getrennt, aber doch gemeinsam zu beten. „Wir erfahren das getrennte und doch gemeinsame Beten als ein starkes und stärkendes Gebet vor Gott, und diese starke und stärkende Erfahrung möge Gott auch Ihnen schenken!“ Durchhalten und Verzicht dienten letztlich der Bewahrung von Gottes größtem Geschenk, dem Leben, heißt es in dem Brief, unterzeichnet von Superintendentin Almut van Niekerk, den Superintendenten Mathias Mölleken und Dietmar Pistorius sowie Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken.

Ramadan-Grußwort

„Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger muslimischen Glaubens,

zu Beginn des Ramadan grüßen wir Sie sehr herzlich und wünschen Ihnen Gottes Segen in diesem für Sie so wichtigen und besonderen Monat.

Nicht nur das Fasten, auch die Corona-Krise macht den Ramadan in diesem Jahr zu einer großen Herausforderung. Trotz erster „Lockerungen“ werden Sie ihn nicht so begehen können, wie Sie es gewohnt sind. Wir fühlen mit Ihnen, wie schwer es fällt, auf das gemeinsame Gebet und die Iftar-Essen in größerem Kreis zu verzichten. Denn wir haben einen ähnlichen, schweren Verzicht gerade hinter uns: Vor zwei Wochen mussten wir Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu Christi und damit wohl unser wichtigstes christliches Fest, getrennt voneinander in der Einsamkeit unserer Wohnungen begehen. Auch das Mahl Christi, das Abendmahl bzw. die Eucharistie, konnten wir nicht wie gewohnt im Kreis der Glaubensgeschwister feiern.

Aus dieser Erfahrung heraus möchten wir Ihnen Mut für diesen Ramadan machen. Auch wenn man räumlich getrennt ist, kann man „gemeinsam“ beten. Wenn Sie nun voneinander getrennt in Ihren Wohnungen beten müssen, so wissen und fühlen Sie, dass dies gleichzeitig viele Menschen in anderen Wohnungen tun. Und wenn Sie spätabends allein oder in der Familie das Fasten brechen, so tun Sie das gleichzeitig mit vielen anderen Muslimen. Wir erfahren das getrennte und doch gemeinsame Beten als ein starkes und stärkendes Gebet vor Gott, und diese starke und stärkende Erfahrung möge Gott auch Ihnen schenken!

Die Corona-Krise stellt unsere Gemeinden, die Moschee-Gemeinden ebenso wie die Kirchen-Gemeinden, auch vor wirtschaftliche Probleme. Almosen, Spenden und Kollekten bleiben aus. Wir wünschen Ihnen die Kraft zum Durchhalten. Schließlich leisten wir diesen großen Verzicht, um Gottes größtes Geschenk an uns zu bewahren: das Leben. Der Schöpfer hat uns das Wissen gegeben, dass uns nur der Verzicht auf körperlichen Kontakt vor vielen Corona-Toten bewahrt; wenn wir uns dementsprechend verhalten, tun wir das auch aus Ehrfurcht vor Ihm.

So möge Gott, bei all den durch Corona verursachten Schwierigkeiten, in diesem Jahr nochmal umso stärkeren Segen auf den Ramadan legen. Friede sei mit Ihnen!“

Superintendent Mathias Mölleken,Evangelischer Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel

Superintendentin Almut van Niekerk, Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein

Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken, Katholisches Dekanat Bonn

Superintendent Dietmar Pistorius, Evangelischer Kirchenkreis Bonn

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