Politik | 10.06.2022

Stadtrat beschließt Prioritätenliste für Wiederherstellung der Brücken

Bad Neuenahr-Ahrweiler: 18 Brücken sollen wieder aufgebaut werden

Kosten von insgesamt 176 Millionen Euro sollen Wiederaufbaufonds getragen werden –
An der einen oder anderen Stelle soll zugleich die Verkehrssituation verbessert werden

Die Ahrtorbrücke steht an Platz 1 der Prioritätenliste.  Foto: ROB

Kreisstadt. „Jede einzelne Brücke ist wichtig“, stellte Klaus Schneider (CDU) im Stadtrat fest, der sich einstimmig für das von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Gesamtkonzept für den Wiederaufbau von insgesamt 18 Brücken über die Ahr im Gebiet der Kreisstadt aussprach. Damit wurde zugleich eine Prioritätenliste festgelegt, denn obwohl die Stadt die Brücken so schnell wie möglich wiederherstellen wolle, könne nicht alles gleichzeitig gebaut werden, sagte Bürgermeister Guido Orthen (CDU). Für die Umsetzung rechne man mit mindestens sechs Jahren Planungs- und Bauzeit, die Kosten von etwa insgesamt 176 Millionen Euro sollen aller Voraussicht nach vom Wiederaufbaufonds des Bundes getragen werden.

Die Umsetzung sei von vielen Randbedingungen abhängig, die die Stadt selbst nicht beeinflussen könne. Größter Knackpunkt sei der künftige Verlauf der Ahr und damit einhergehend die Breite des Flussbettes. Zudem müssten alle Brücken an das bestehende Straßen- und Wegenetz angeschlossen werden, doch wolle man die Gelegenheit nutzen, an der einen oder anderen Stelle eine Verbesserung der Verkehrssituation zu erreichen.

Fehlende Brücken bedeuten Umwege und Beeinträchtigungen

Eine fehlende oder eingeschränkt nutzbare Brücke bedeute für die Bürger Umwege und Beeinträchtigungen, wusste Klaus Schneider (CDU). Die Prioritätenliste berücksichtige dabei die Bedeutung der einzelnen Brückenbauwerke für die Verkehrsbeziehungen der Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger in der Stadt. „Der Zeitplan ist ausgewogen und berücksichtigt die Interessen aller“, war Schneider überzeugt, wollte den Plan jedoch nicht als verbindlichen Zeitplan verstehen, denn wenn es beim Bau einer Brücke zu Verzögerungen komme, müsse eine andere vorgezogen werden.

„Brücken verbinden“, bestätigte Werner Kasel (SPD) und wünschte sich, dass den konkreten Planungen ein Gesamtverkehrskonzept zugrunde gelegt werde. „Dies gilt für alle Verkehrsarten und die entsprechende Bedeutung jeder einzelnen Brücke.“ So könnte die Obertorbrücke in einem neuen Verkehrskonzept eine stärkere Bedeutung erlangen, während bei der Kurgartenbrücke die dauerhafte Nutzbarkeit für den motorisierten Verkehr hinterfragt werden müsse. Die konkreten Planungen ließen jedenfalls spannend Diskussionen erwarten, wobei auch das Thema „Corporate Identity“, also das Bild der Brücken im Stadtgebiet insgesamt, beachtet werden solle.

Neuen Verkehrskonzepteüberdenken

Als große Herausforderung für die Stadt sah FWG-Fraktionschef Gregor Sebastian das Brückenwiederherstellungsprojekt, denn die Verkehrsströme müssen für die Baumaßnahmen umgeleitet oder sogar ganz neu gelenkt werden. „Wir müssen und können für die Zukunft ein neues Verkehrskonzept an der einen oder anderen Stelle in unserer Stadt neu denken“, fand er. Dennoch benötige man einen langen Atem, denn auch den Bürgern müsse klar sein, dass der Neubau aller Brücken nicht in drei oder vier Jahren bewerkstelligt werden könne. Anders sah das Martin Kallweitt (AfD), der sich der Stimme enthielt: „Für ein Industrieland wie Deutschland ist eine solch lange Zeitdauer absolut inakzeptabel und unverständlich.“

Die Prioritätenliste:

1. Ahrtorbrücke L84: Der Wiederaufbau der Ahrtorbrücke als Teil der Landesstraße 84 liegt im Zuständigkeitsbereich des Landesbetriebes Mobilität (LBM). Der hatte in den ersten Wochen nach der Flut bereits eine zweispurige Fahrzeugbehelfsbrücke und im Bereich des Campingplatzes eine zusätzliche Fußgängerbehelfsbrücke erstellt. Die wird jedoch wenig frequentiert, zumal sie keinen barrierefreien Zugang besitzt. Deshalb soll eine neue Fußgängerbehelfsbrücke unmittelbar an der Fahrzeugbrücke gebaut werden. Die städtische Kostenbeteiligung beträgt 9,5 Millionen Euro.

2. Brücke L83 Ringener Straße: Auch die Brücke an der Ringener Straße gehört dem LBM, der einige Wochen nach der Flut das südliche Widerlager wiederherstellen und so die Befahrbarkeit gewährleisten konnte. Allerdings bedarf es weitergehender baulicher Veränderungen, um eine dauerhafte Nutzbarkeit zu gewährleisten. Die Kosten für Planung und Bau trägt der LBM allein.

3. Kurgartenbrücke: Die Kurgartenbrücke in Bad Neuenahr wurde durch die Flut zerstört, sie soll zusammen mit der Kurgartenstraße von der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft wiederhergestellt werden. Im September 2021 wurde eine Fußgängerbehelfsbrücke zwischen Georg-Kreuzberg-Straße und Kurpark errichtet. Gleichzeitig sollen die Kurgartenstraße und der Platz vor der Martin-Luther-Kirche neugestaltet werden. Kosten: 14,6 Millionen Euro.

4. Landgrafenbrücke: Die Landgrafenbrücke in Bad Neuenahr wurde ebenfalls zerstört, das THW errichtete wenige Wochen danach eine zweispurige Behelfsbrücke für Fahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger. Wegen der Lage der Behelfsbrücke mussten Teilflächen der Klinik Kurköln und des Parkhauses in Anspruch genommen werden, die nach Abschluss der Maßnahme wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden sollen. Kosten: 16,2 Millionen Euro.

5. St.-Pius-Brücke: Die St.-Pius-Brücke wurde durch die Flut stark beschädigt, konnte aber als letzte verbliebene und nutzbare Verbindung zwischen Ahrweiler, Bad Neuenahr und Bachem mit Einschränkungen auch direkt nach der Flut genutzt werden. Allerdings bedarf es nun baulicher Instandsetzungsarbeiten, um eine uneingeschränkte und dauerhafte Nutzbarkeit sicherzustellen. Insbesondere gilt es die Brückenköpfe instand zu setzen und neue Geländer zu installieren. Eine mögliche Erneuerung der Gehwegkappen muss noch geprüft werden. Kosten: rund 1,8 Millionen Euro.

6. Heppinger Brücke: Die Heppinger Brücke wurde durch die Flut vollständig zerstört. Einige Wochen nach der Flut ermöglichte eine Behelfsbrücke wieder die Querung der. Die Heppinger Brücke war vor ihrer Zerstörung Teil der einzigen Fahrradstraße in der Stadt und zugleich wichtiger Bestandteil des überörtlichen Ahr-Radweges. Auch deshalb hat der Wiederaufbau höchste Priorität. Kosten: 18,1 Millionen Euro.

Für die Jahre 2024 und 2025 sind die Wiederherstellung der Josefsbrücke (9,8 Millionen Euro), der Obertorbrücke 15,5 Millionen Euro) und der Brücke am Bahnhof Heimersheim (28,2 Millionen Euro) gewünscht. 2025 und 2026 plant man die Wiederherstellung der Bachemer Brücke (Kosten: 21,7 Millionen Euro), der Maria-Hilf-Brücke (7,7 Millionen Euro) und der Amseltalbrücke (6 Millionen Euro). Für 2026 und 2027 vorgesehen ist die Wiederherstellung der Ursulinenbrücke (6,8 Millionen Euro), der Radwegebrücke Otlerstraße (5,1 Millionen Euro), der Casinobrücke (5,3 Millionen Euro) und der Schwanenteichbrücke (1,9 Millionen Euro) vorgesehen. Zum Schluss kommen die Heckenbachtalbrücke (8,9 Millionen Euro) und die Greener Brücke (8,8 Millionen Euro) an die Reihe in den Jahren 2027 und 2028.

JOST

Die Ahrtorbrücke steht an Platz 1 der Prioritätenliste. Foto: ROB

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