Allgemeine Berichte | 02.08.2022, 09:01 Uhr

Der Bad Bodendorfer Karsten Janotta brachte seine Erinnerung an die Flut in einem berührenden Blog-Eintrag zu Papier

Flut: Gedanken in Worte fassen, auch wenn es Kraft kostet

Karsten Janotta (stehend, in blauem T-Shirt) half am 14. Juli in Bad Bodendorf seinen Mitmenschen beim Befüllen der Sandsäcke.  Foto:ROB
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Sinzig-Bad Bodendorf. „Es ist Mittwoch. Es regnet. Und das seit Tagen. Hört es eigentlich nochmal auf? Ich mache früher Feierabend, um ein paar Überstunden abzubauen. Im strömenden Regen setze ich mich in Bonn ins Auto und trete den Heimweg an. Seltsam. In der Heerstraße läuft das Wasser nicht mehr ab. Mitten im Bonner Zentrum. Das habe ich noch nie gesehen.“ Mit diesen Worten beginnt ein kleiner Aufsatz auf einer Blogseite. Der Autor ist Karsten Janotta, der in Bad Bodendorf lebt. Dort, auf seiner Homepage, stellt er seine Fotos online oder teilt mit Interessierten seine Gedanken. Doch dieser neue Eintrag ist besonders. Er trägt die Überschrift „14. Juli“. Und jeder, der das Ahrtal kennt, weiß, was an diesem Tag im Jahre 2021 geschehen ist. Und auch, dass die südliche Seite, die „Kurseite“, Bad Bodendorfs massiv von der Flut zerstört wurde. In seinen Schilderungen erzählt er die Erlebnisse neu. Angefangen von den Versuchen, sich auf das Wasser vorzubereiten, vom Sandsackfüllen am Schwimmbad, wo die Stadtverwaltung Sinzig eine Ausgabestelle eingerichtet hat. Hier schippte er gemeinsam mit anderen die Säcke voll, in der Annahme das dies wirklich etwas bringen könnte. Tat es aber nicht.

Bemerkenswert ruhig schildert Janotta in seinen Worten den Vorabend der Flut. So war er nach der Hilfe am Schwimmbad noch in Ruhe einkaufen. Aber auch die Beklemmung wird beschrieben, als die Erkenntnis wächst, dass die Ahr vom ruhigen Flüsschen zum reißenden Fluss mutiert. Vor allem dann, als langsam per Handy die Video und Fotos aus der Nähe von Altenahr zu Janotta und seinen Bekannten gelangen. Gegen 22.30 Uhr war dann schließlich der Strom aus. Ab da beginnt Janottas Reise erst so richtig. Er schildert Streitereien seiner Nachbarn, verängstigte Bekannte, erschöpfte Feuerwehrleute und seine eigene Odyssee im überfluteten Bad Bodendorf, aber auch die Ratlosigkeit angesichts einer niemals zuvor erlebten Naturgewalt.

Schreiben befreit

Janotta erzählt nicht ohne Grund von diesem Tag. „Es hat irgendwie gut getan, die Erlebnisse niederzuschreiben“, erklärt er. Das hört man oft im Ahrtal und nicht umsonst erschien eine schier unüberschaubare Masse von „Flut-Büchern“. Das Reden (oder Schreiben) über die dunkelste Stunde des Ahrtals befreit. Gleichzeitig möchte er „Danke“ dafür sagen, dass seine Familie und er die Katastrophe überlebt haben. Aber auch die kleinen Dinge brannten sich in seine Erinnerung. So blickt er dankbar an einen kleinen Moment zurück. „Ich möchte dem „Kaffee-Engel“ danken, der mir am dritten Morgen nach der Katastrophe einen heißen Kaffee beschert hat. Ich weiß nicht, wer Du bist. Aber ich werde Dich nicht vergessen. Du glaubst nicht, wie glücklich mich deine einfache Frage „Kaffee?“ gemacht hat. Und auch jetzt wieder habe ich Tränen der Freude in den Augen.“

Der gesamte Text ist online zu lesen: www.karsten-janotta.de.

ROB

Karsten Janotta (stehend, in blauem T-Shirt) half am 14. Juli in Bad Bodendorf seinen Mitmenschen beim Befüllen der Sandsäcke. Foto:ROB

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