Allgemeine Berichte | 24.07.2017

Exklusive Ausstellung von Trachten und Hochzeitskleidern der Ortsgemeinde Helferskirchen

Streifzug durch die Welt der Trachten

Ein Blick in den Ausstellungsraum. Fotos: WR

Helferskirchen. Die Ortsgemeinde Helferskirchen um ihre Bürgermeisterin Anette Marciniak-Mielke hatte mal wieder eine zündende Idee: In der Sonnenberghalle in Helferskirchen wurde eine Trachtenschau organisiert. Bei der Organisation dieser Veranstaltung stand das Trachtenmuseum in Westerburg als „Pate“ zur Verfügung. Frau Klein, die Leiterin des Trachtenmuseums, übrigens das einzige Trachtenmuseum in Rheinland-Pfalz, war vor Ort persönlich anwesend. Sie kam nicht mit leeren Händen, hatte einige Prunkstücke aus dem Trachtenmuseum mitgebracht. Ergänzt wurde die Ausstellung von Trachten und Hochzeitskleidern aus dem privaten Fundus von Einwohnerinnen aus Helferskirchen. Zusammen entstand so ein großes Angebot an Trachten aus allen Regionen und in vielen Ausführungen. Sogar Trachten für Kinder und Jugendliche konnten bestaunt werden. Daneben waren die passenden Accessoires zu den Trachten vorzufinden: Schuhe, Blusen, Schmuck und Halstücher.

Da es sich um keine Verkaufsveranstaltung handelte, entwickelten sich zwischen den Fachfrauen und den Besuchern lebhafte Gespräche. Sehr angenehm war der Umstand, dass interessierte Frauen verschiedene Trachten oder Dirndl anprobieren konnten, um so festzustellen, welches Kleid am besten zu ihrem Typ passt. In dieser äußerst entspannten Situation wurde viel gelacht und geredet. Frau Klein erzählte z.B. eine fast unglaubliche Anekdote um die Jahrhundertwende herum.

Vor 1900 und bis ca. 1920 trug die Braut bei der Hochzeit ein schwarzes Kleid, erst nach 1920 wurde allmählich das Brautkleid auf weiß umgestellt. Der Bräutigam trug natürlich einen schwarzen Hochzeitsanzug mit Weste. Wenn der Bräutigam zu seinem Anzug und zum weißen Hemd eine schwarze Fliege umgebunden hatte, dann war das für alle das Zeichen, dass er bisher einen „unredlichen“ Lebenswandel geführt hat, was immer das heißen mag. Die Männer mit einer weißen Fliege waren also die „Saubermänner“, die der damaligen Moral entsprachen.

Voller Stolz zeigte Frau Klein das älteste Ausstellungsstück, einen noch sehr gut erhaltenen Arbeitskittel in Westerwald-Blau mit Stickerei von 1879. Das Trachtenmuseum und die Liebe zu den Trachten ist das Lebenswerk von Frau Klein, die sich trotz ihres rüstigen Alters bis heute mit dem Sticken, Nähen und Stricken von Trachten beschäftigt. Eine echte Verfechterin und Bewahrerin des Westerwälder Brauchtums halt.

Zur Herstellung der Bekleidungsstücke aus dieser Zeit wurde überwiegend Leinen verwandt. Der Stoff war derb und robust, genau richtig für das Wetter im Westerwald. Lein, auch bekannt als Flachs, zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Bereits 5000 bis 4000 v.Chr. wurde Flachs angebaut und entwickelte sich im Laufe der Jahrtausende zu einem beliebten Handelsgut. Die Industrialisierung bewirkte den Rückgang des Flachsanbaus, weil immer mehr Baumwolle und Kunstfasern benutzt wurden.

Zu diesem Thema wurde vom Museumsverein „anno dazumal“ aus Westerburg ein Film gedreht, der per Video-Präsentation von den Besuchern in Helferskirchen angesehen werden konnte. Dieser sehr lehrreiche Film befasste sich mit dem Thema Flachs von der Aussaat bis zum Weben des Stoffes und wurde dokumentarisch von den Mitgliedern des Museumsvereins dargestellt.

Frau Marciniak-Mielke zeigt sich ob des regen Interesses der Besucherinnen und Besucher sehr erfreut. Sie erklärte, dass sie langfristig plane, in Helferskirchen eine Gruppe zu gründen, die sich regelmäßig zur Herstellung von traditioneller Kleidung trifft. Ein Anfang dazu könnte das Nähen der typisch roten Halstücher sein, die zum Blaukittel der Männer passt. Für dieses Vorhaben können sich gerne Interessenten bei Frau Marciniak-Mielke melden, damit die Planungen beginnen können.

Die Ausstellung in Helferskirchen hat einmal mehr bewiesen, dass Trachten oder Dirndl nicht nur in Süddeutschland und Österreich Tradition haben. So gesehen muss sich der Westerwald nicht verstecken, denn auch hier hat man einen eigenen Stil entwickelt, an dem die Region festgemacht werden kann.

Zum Ende hatte Frau Marciniak-Mielke noch eine große Bitte. Da Wildschweine den Sportplatz des SV Blau-Weiß Helferskirchen total „umgegraben“ haben, dieser also unbespielbar ist, hat die Gemeinde für den 13. August das „Wutz-Stock-Festival“ organisiert. Für diese Veranstaltung wird die Jägerschaft eine Wutz erlegen, die am Sportplatz fachmännisch zubereitet wird. Außerdem finden an diesem Tag verschiedene Spiele und Belustigungen statt. Der Reinerlös wird dem SV Blau-Weiß zur Verfügung gestellt, damit dieser einen sogenannten „Wildschweinabwehr-Zaun“ um den Sportplatz errichten kann.

Frau Klein als Braut um 1920.

Frau Klein als Braut um 1920.

Nur strahlende Gesichter in Helferskirchen bei den Verantwortlichen.

Nur strahlende Gesichter in Helferskirchen bei den Verantwortlichen.

Ein „Bräutigam“ mit schwarzer Fliege.

Ein „Bräutigam“ mit schwarzer Fliege.

Ein Blick in den Ausstellungsraum. Fotos: WR

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