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Woran Joe Bausch im „Tatort“ denkt

Der Tod als Auftraggeber, Lehrmeister, Versöhner

C. Juliane Vieregge las im Hospiz davon, wie Prominente mit Tod und Sterbebegleitung umgehen

Der Tod als Auftraggeber,
Lehrmeister, Versöhner

Ulrike Dobrowolny, Autorin C. Juliane Vieregge und Onkologe Axel Nacke), der auch für das Buch interviewt wurde, freuten sich über die große Resonanz bei der Lesung im Hospiz. Foto: Hospiz im Ahrtal gGmbH

05.11.2019 - 11:18

Bad Neuenahr. Fast jeder im Raum hat wohl seine eigene Geschichte mit dem Thema erlebt. Und vielleicht war es genau deswegen mucksmäuschenstill im vollen Mehrzweckraum des stationären Hospizes, als C. Juliane Vieregge aus Texten las, in denen andere ihre Erfahrungen mit dem Sterben und dem Tod kundtaten: tatsächliche Erlebnisse und Gefühle von Prominenten, die C. Juliane Vieregge interviewt hat für ihr Buch „Lass uns über den Tod reden – ein Buch über Tod und Trauer“. Dieses stellte die in Westfalen geborene Tübingerin in ihrer, wie sie sagte, „beinahe zweiten Heimat“ vor, denn dank ihres in Bad Neuenahr-Ahrweiler wohnenden Lebensgefährten verbringt sie mittlerweile viel Zeit in der Kreisstadt. Bei der Lesung im stationären Hospiz im Ahrtal erfuhr das Publikum auch, was zwei Ahrtaler für das Buch beisteuerten und wie viele Facetten der Tod hat: Dass er etwa Schuldgefühle auslöst, wie bei der mittlerweile verstorbenen Ahrtalerin Ilse Rübsteck. Sie habe nie verwunden, dass ihre Eltern im Konzentrationslager starben und sie überlebte. Genauso fand aber auch die andere Seite Raum, von der der Ahrtaler Onkologe Axel Nacke zu berichten wusste: von Menschen, die sich schon todkrank und sehr schwach beim Fußballspiel „ihres“ favorisierten Bundesligisten im Stadion oder beim närrischen Umzug auf dem Karnevalswagen noch einen ihrer letzten Wünsche erfüllten. „Es gibt so viele Geschichten, wie es Todesfälle gibt, und die Angehörigen lassen sich Vieles einfallen“, war eine der Erkenntnisse, die Vieregge aus der mehr als zehnjährigen Arbeit an ihrem Buch gewonnen hat. Ein Beispiel bot die „Himmelfahrtsfeier“, die Monika Ehrhardt-Lakomy in ihrer Wohnküche für ihren dort liegenden verstorbenen Ehemann und Arbeitspartner Reinhard Lakomy, vor allem in der DDR populärer Komponist, Pianist und Sänger, ausrichtete. Dass der Tod Auftraggeber sein kann, erfuhren die Zuhörer aus Auszügen des Kapitels über den Filmemacher Jan Schmitt. Dessen Mutter arrangierte nach ihrem Suizid für ihn Dinge, die ihn schließlich auf die Spur führten, dass sie in jungen Jahren von einem Familienfreund missbraucht worden war. Ebenso berührt waren die Zuhörer von der Geschichte des Rechtswissenschaftlers und Universitätsprofessors Arsène Verny, dessen Sohn beim nicht ganz freiwilligen S-Bahn-Surfen umkam. Der Tod kann laut Vieregge Lebensbegleiter, Lehrmeister, Weichensteller und Berufender sein. Sie schilderte ihrem Publikum, warum er für Schauspielerin Katrin Sass ein Versöhner war. Und warum Schauspieler und Regisseur Christopher Buchholz seinen Vater Horst Buchholz vor dessen Tod einmal fast anflehte: „Jetzt musst du reden, auch wenn ich es nur bin.“ In dem Buch schildert Tatort-Gerichtsmediziner Joe Bausch, warum er jedes Mal, wenn er im Krimi eine Leiche aus dem Kühlraum holt und seziert an seinen Vater denkt, und warum er in der Hospizbewegung aktiv ist. Neben Angst, Wut und Trauer spiele beim Umgang mit dem Tod und dem Sterben immer wieder auch Sprachlosigkeit eine Rolle, sagte Vieregge. Diese habe sie selber erlebt bei der Sterbebegleitung ihres Vaters, die Anlass für das Buch gegeben habe: „Gerne würde ich mit einer Heldengeschichte aufwarten, aber genau das Gegenteil ist der Fall.“ Vielfach fehle eine Kultur des Sterbens in der Gesellschaft. Ein Beispiel für eine gelungene Sterbebegleitung bot für Vieregge der Schauspieler und Improvisationskünstler Enno Kalisch, der beiden Eltern im Sterben beistand. Auch diese Geschichte hat sie anhand von Interviews in ihrem Buch aufgeführt, zu dem sie bei der Lesung auch noch manche Frage beantwortete. „Das Thema Tod fasziniert, glaube ich, jeden“, sagte die Autorin mit Blick auf populäre TV-Formate: „Das liegt zum Teil auch daran, dass wir den Tod nicht begreifen, emotional wie intellektuell.“ Manche wichen dem Thema aus, andere konfrontierten sich damit. „Seit ich mich mit dem Thema Tod befasse, habe ich nicht weniger Angst davor, aber meine Einstellung zum Leben hat sich geändert“, hatte zum Auftakt der Lesung Ulrike Dobrowolny, Vorsitzende des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr und Gesellschafterin der Hospiz im Ahrtal gGmbH erklärt. „Ich lebe anders. Das ist der Unterschied, den man als Hospizler hat: dass man anders an sein Leben herangeht. Das kann man sich von der Auseinandersetzung auf jeden Fall versprechen.“

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Kommentare
Siegfried Kowallek:
Da hatten die Landtagsfraktionen von CDU, FDP, SPD und Grünen wegen einer Abwahl des Medienausschussvorsitzenden Joachim Paul von der AfD eine Sondersitzung beantragt, und im Koblenzer Stadtrat wollten die von zwei Ratsmitgliedern der Grünen unterstützten Linken mit dem Antifa-Symbol ein Zeichen gegen Joachim Paul setzen, der ja nicht nur Landtagsabgeordneter, sondern auch Ratsmitglied ist, weil es im Raum ist, er habe für eine rechtsextreme Zeitschrift geschrieben. Optimal wäre es gewesen, hätte man angesichts dieser ja erlaubten Zeichensetzung die AfD allein aus dem Saal gehen lassen. Aber durch das gemeinsame Vorgehen, mit der AfD die Sitzung zu verlassen, solidarisierten sich die lokalen Vertreter der Landtagsparteien CDU und FDP dem Anschein nach mit Joachim Paul, dessen Abwahl als Medienausschussvorsitzenden beide Landtagsfraktionen andererseits wiederum wünschen. Eine überzeugende und widerspruchsfreie klare Kante ihrer Ratsmitglieder im Hinblick auf den Vorwurf rechtsextremer Betätigung Joachim Pauls lässt sich bei den von der AfD insbesondere nach der Wahl in Thüringen gerne als gleichfalls „bürgerlich“ vereinnahmten Parteien so nicht erkennen. Siegfried Kowallek, Neuwied
Walter Müller:
Gut zu wissen, dass sich FDP, CDU und freie Wähler in Koblenz im Zweifel eher hinter Faschisten stellen und Sympathie zeigen. Auch unser Grundgesetz ist antifaschistisch geschrieben - aus gutem Grund. Niemand sollte Faschisten verteidigen!
juergen mueller:
Anstatt zu "Reden" und zu klären, was ja sonst auch immer ausgiebig gemacht wird, steht man auf und geht und zwar gemeinschaftlich Fraktion für Fraktion. Und keiner hat den Arsch in der Hose, wenn er eine solche Reaktion als eine der falschen Wahl ansieht, sitzen zu bleiben. Eine Einigung auf der Basis, Antifa-Symbole für die Dauer der Ratssitzung einfach wieder verschwinden zu lassen, wäre m.E. möglich gewesen.
Stefan Knoll:
Es ist nicht zu fassen, was der SWR in seiner Berichterstattung zu Joachim Paul herausgefunden hat. Paul gehört zum rechten Rand der rechten AfD. Dieser desolate rheinland-pfälzische AfD-Landesvorstand mit Joachim Paul hat die Landespartei schon jetzt enorm geschwächt. Ein Joachim Paul als AfD-Landesvorsitzender würde die Landes-AfD ins politische Niemandsland katapultieren. Hoffentlich wählt der Medienausschuß des Landtags Joachim Paul diese Woche als Vorsitzenden ab.
Antje Schulz:
Wieso war eigentlich Joachim Paul von der AfD nicht auf der Stadtratssitzung in Koblenz anwesend? Die Niederlagenserie des Joachim Paul ist schon beeindruckend. Die katastrophalen AfD-Wahlergebnisse in Koblenz, die Niederlage von Paul bei der versuchten Klage gegen die SPD-Landtagsabgeordnete Köbberling, das gescheiterte Burkiniverbot und jetzt die erhärteten Indizien bei den hervorragenden Recherchen des SWR bei der Frage, ob Joachim Paul Autor einer NPD-Zeitschrift war. Und hierbei stellt sich zudem die Frage: Ist Joachim Paul ein Lügner und hat vor dem Medienausschuß des Landtags die Unwahrheit gesagt? Und zwei weitere Fragen stellen sich: Christiane Christiane und Jens Ahnemüller sind wegen Nichtigkeiten mit Parteiausschlußverfahren (PAV) des AfD-Landesvorstands konfrontiert. Zeigt Uwe Junge jetzt auch konsequentes Handeln und belegt Joachim Paul mit einem PAV? Und werden die Mitglieder wirklich Joachim Paul im November zum AfD-Landesvorsitzenden wählen? Das wäre erschreckend.
juergen mueller:
Herr Zwiernik. Was Ihre Partei sich bei dieser Aktion gedacht hat,weiß ich nicht. Vor allem nicht,ob Sie und Ihre Fraktionskollegen/innen darüber informiert sind,dass sich die Antifa-Bewegung mittlerweile anders positioniert hat,nämlich,indem sie sich z.B.antisemitischer Klischees,der Bildersprache aktueller Rechtsextremen und gewaltsamer Aktionsformen bedient und befürwortet. Wenn das von Ihrer Grünen-Partei befürwortet u.akzeptiert wird,sind Sie in der falschen Partei. Bevor man eine solche,m.E. für eine Ratssitzung unpassende Aktion startet (es gibt andere Möglichkeiten) sollte man schon seinen Denkapparat auf "grün" schalten u.nicht auf "rot".
juergen mueller:
Dieses Verhalten angeblicher "Volksvertreter" zeigt nur eines auf:"Nichts ist wichtiger als das eigene Ego in trockene Tücher zu betten und sich in Selbstmitleid zu baden, dass es überhaupt jemand gewagt hat, sie mit einer Aktion zu konfrontieren, mit der sie offensichtlich ganz einfach überfordert waren". Damit haben sich die gewollt überforderten und jeglicher Redekunst beraubten "Abwesenden" keinen Gefallen getan. Die für die Zukunft erdachte Lösung einer Änderung der Geschäftsordnung ist nur das erbärmliche Produkt politischer Hilflosigkeit auf eine Konfrontation mit einer Situation, auf die man nicht vorbereitet, nicht im Vorfeld informiert wurde. Diese Selbstentlarvung war überfällig, da sie aufgezeigt hat, was gewisse Volksvertreter unter einer demokratischen Verantwortung verstehen ... wenn es sie kalt erwischt.
Uwe Klasen:
"Er appellierte an die Fraktionen des Stadtrates sich zu beraten, wie solches Verhalten künftig vermieden werden kann." ---- Das tragen und zeigen solch "Verfassungsfeindlicher" Symbole (hier: Antifa-Devotionalien) ganz einfach Unterlassen!
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