Neue Reihe „Forum Lantershofen“ gab interessante Einblicke

Vom römischen Hinkelstein zum christlichen Symbol

Karl-Friedrich Amendt referierte über „Rheinische Wegekreuze“

23.05.2016 - 16:38

Grafschaft-Lantershofen. Sie sind überall im Rheinland und somit auch in der Grafschaft präsent: mittelalterliche und historische Wegkreuze. Als geheimnisumwitterte und oftmals auch rätselhafte Zeugen vergangener Zeiten findet man sie nicht nur innerhalb von Ortschaften, sondern oftmals auch fernab jeglicher Besiedlung. Im Rahmen der neuen, vom Förderverein „Zukunft Lantershofen“ veranstalteten Gesprächsreihe „Forum Lantershofen“ brachte jetzt Karl-Friedrich Amendt, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums Sinzig sowie ausgewiesener Experte in Sachen rheinische Wegkreuze, Licht ins Dunkel rund um die steinernen Monumente.


Für Amendt war der Auftritt in Lantershofen sowieso ein halbes „Heimspiel“, stammt doch ein Teil seiner Verwandtschaft aus der Grafschaft. Die Ahnenforschung war es auch, die ihn einst dazu brachte, die Geschichte der rheinischen Wegkreuze genauer zu erforschen. Zurück gehen diese auf römische Kleindenkmäler, die zu Ehren der Götter an Straßen und Kreuzungen mit der Intention aufgestellt wurden, zum Nachdenken oder Beten innezuhalten. Gut 300 Jahre nach dem Untergang des Römischen Reiches griffen die Christen das Thema auf und änderten im Prinzip nur die Symbolik: Aus Denkmälern und Hinkelsteinen wurden Kreuze. Dabei ist bis heute jedes Wegkreuz ein Unikat, in aller Regel von begüterten Privatleuten und nur selten von der Kirche gestiftet. Nach heutigen Gesichtspunkten würde die fachmännische Herstellung eines steinernen Wegekreuzes etwa 6.000 bis 7.000 Euro kosten – mindestens.

Die Gründe zur Aufstellung eines Wegekreuzes waren so vielfältig wie dessen Gestaltungsmöglichkeiten, aber dennoch lassen sich verschiedene „Kreuzversionen“ thematisch relativ gut voneinander unterscheiden. So erinnern „Gedenkkreuze“ praktisch immer an Verstorbene und den Tod, beispielsweise durch Mord, Unfall oder Blitzschlag, aber auch an „unbeabsichtigt im Krieg getötete Bauern“ – eine unter anderem während des 30-jährigen Krieges nahezu alltägliche Realität. Darüber hinaus weisen sie auf ehemalige Kirchen, Kapellen, Begräbnisstätten oder gar Hinrichtungsstätten hin. Oftmals legte man, vor allem bei Kreuzen an Hinrichtungsstätten, schwere Steine rund um das Kreuz, um die unruhigen Seelen der Hingerichteten zu „binden“. Die sogenannten „Votivkreuze“ errichtete man zumeist als Dank, etwa bei Heilung nach schwerer Erkrankung.


Schutz vor Geistern, Hexen und Dämonen


Mit den „Schadenabwehrkreuzen“ versuchten die Menschen, sich vor bösen Geistern, Hexen, Dämonen und tückischen Krankheiten zu schützen. Wirksame Medikamente gegen schwere Krankheiten gab es kaum, sodass als einziges „Gegenmittel“ oft nur die „Flucht“ in religiöse Symbolik übrigblieb. Über Jahrhunderte hinweg wütete in Europa die gefürchtete Pest. Ganze Landstriche fielen dieser hochansteckenden und tödlichen Infektionskrankheit zum Opfer. Kein Wunder also, dass auch hierzulande noch zahlreiche „Pestkreuze“ die Zeit überdauert haben. Einiges über das jeweilige Kreuz verrät auch die eingeschlagene Jahreszahl, die den Zeitpunkt des Stiftungsanlasses oder das Jahr der Errichtung dokumentiert. Etappenstationen von Wallfahrten wurden durch „Pilgerkreuze“ und Kreuzwegstationen angezeigt – so beispielsweise im Umfeld des Klosters Kalvarienberg in Ahrweiler. Um trotz Sünden oder anderen Missetaten nicht auf Beistand von oben verzichten zu müssen, ließen vermögende Menschen „Sühnekreuze“ aufbauen. Damit die Buße auch mit physischen Belastungen einherging, kam es oftmals vor, dass die „armen Sünder“ das Kreuz selbst herstellten, was die bei manchen Exemplaren eher unförmigen Konturen erklärt.

Stehen Wegekreuze weit außerhalb von Städten und Dörfern, so ist dies ein klares Indiz für „Wetterkreuze“, die vor verschiedenen Unwettern schützen sollten. Besonders Stürme und Gewitter ängstigten als „Atem des Höllendrachens“ in früheren Zeiten die Menschen. Oftmals markierten die Wegkreuze aber auch nur ganz unspektakulär Herrschafts- und Verwaltungsgrenzen. Bis in die heutige Zeit stellen Menschen Wegkreuze auf, in der Regel um Unfallopfern zu gedenken.

Natürlich gibt es auch in und um Lantershofen einige historische Wegkreuze, wobei Karl-Friedrich Amendt besonders auf das „Nischenkreuz“ unweit der alten Eisenbahnbrücke in der Gemarkung „Hölzert“ einging. Diese, einer Monstranz nachempfundenen Kreuze, haben in der hiesigen Gegend ihren Ursprung und fanden relativ rasch weite Verbreitung.

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
Weitere Berichte

Zu viele Coronafälle: Andernacher Krankenhaus muss geplante Aufenthalte absagen – Notfallversorgung bleibt bestehen

Andernach: 14 Tage Aufnahmestopp in Rhein-Mosel-Fachklinik

Andernach. Die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach (RMF) muss für 14 Tage alle geplanten Aufnahmen absagen. Der Grund ist, dass es auf drei psychiatrischen Aufnahmestationen und im Wohnbereich der Klinik mittlerweile positiv getestete Patientinnen und Patienten und Bewohnergibt. Auch fallen derzeit zunehmend mehr Mitarbeiter aufgrund von Isolation oder Quarantäne aus, als dass eine sichere Versorgung noch aufrechterhalten werden kann, wenn weiterhin Patienten aufgenommen werden. mehr...

Fahndung nach Trickdiebstahl in Siegburg

Konto von Senior leergeräumt: Wer kennt dieses Paar?

Siegburg. Im September 2021 hatte die Polizei über einen ungewöhnlichen Trickdiebstahl berichtet, bei dem ein 86-jähriger Siegburger bestohlen worden war. Der Geschädigte war bei der Geldabhebung an einem Bankautomaten in der Siegburger Innenstadt von einem unbekannten Paar beobachtet worden. In einem Lebensmittelgeschäft wurde der 86-Jährige von dem Pärchen angesprochen. Die Frau zeigte auf den Boden und gab an, dass der Siegburger offensichtlich Geld verloren habe. mehr...

Lesen Sie Jetzt:
LESETIPPS
GelesenEmpfohlenKommentiert
aktuelle Beilagen
Inhalt kann nicht geladen werden

 

Firma eintragen und Reichweite erhöhen!
Kommentare
Theobold aus dem schönen Miesenheim:
Herr Esser, ich muß Ihnen einmal den Spiegel vorhalten, vielleicht erkennen Sie dann Ihr eigenes Treiben. Ihre wahre politische Einstellung lassen Sie heute zum Beispiel wieder mit äußerst zweifelhaften Aussagen in „Ihrem“ Facebook Acount Mariss Tiner (nur Ihr Profilbild verrät sie, warum übrigens...
juergen mueller:
Ich gehe einmal davon aus, dass Herr S.Schmidt ein Sympathisant oder sogar Mitglied der AfD ist, worauf man aus seinen Kommentaren schließen könnte, da er genau die Wortwahl benutzt, wie sie sich die AfD zu eigen macht. Ihm steht natürlich, sollte dies auch nicht der Fall sein zu, seine Meinung, wie...
Ludwig aus Andernach Eich:
Sehr geehrter Herr S.Schmidt (oder wer immer sich hinter diesem Namen verbirgt), die Wortwahl „diffamierend“ wird doch gerade von dieser „Partei“ inflationär bewußt genutzt. Haben Sie die Pressemitteilung nicht gelesen? Auf alle Fälle sind mittlerweile die sogenannten „Spaziergänge“ auch in Andernach...
Gabriele Friedrich:
Gerade alte Menschen abzuzocken und zu beklauen finde ich als ungeheuere Schweinerei. Ich hoffe, man findet das Paar. Vor allem der Mann ist ja auffällig mit seiner krummen Figur....

Kampf gegen Demenz

juergen mueller:
30 000 Euro in drei Jahren - das sind 10 000 pro Jahr. Besser als nichts. Aber - Frage: WAS sind 10 000 Euro für die Arbeit einer Institution, deren Arbeit man nicht hoch genug bewerten kann? Und Kampf gegen Demenz? 10 000 Euro jährlich. Ein Jahr hat 12 Monate, das macht genau 833,33 Euro pro Monat,...
Service