FDP sorgt sich um die Betriebe im Kreis Ahrweiler

Mindestlohn gefährdet Obstbaubetriebe, Winzer und Spargelbauern

Mindestlohn gefährdet Obstbaubetriebe, Winzer und Spargelbauern

Besorgt zeigten sich die Liberalen (v. r.) Ulrich van Bebber, Christina Steinheuer, Stephan Kirchharz und Patrick Mai bei dem Obstbauern André Steinheuer (Mitte), der über die Probleme mit dem Mindestlohn für Erntehelfer informierte. Foto: privat

07.07.2014 - 14:23

Grafschaft-Oeverich. Die Bundesregierung hat beschlossen, den Mindestlohn von 8,50 Euro einzuführen. Dies betrifft auch die Erntehelfer, die sowohl zu den Obstbauern, als auch zu den Spargelbauern und den Winzern während der Erntewochen aus dem Ausland nach Deutschland kommen.


Über die Sorgen der Obstbauern im Kreis Ahrweiler informierte sich die FDP vor Ort. Die Ahrkreis-Liberalen besuchten bewusst mitten im laufenden Erntebetrieb den Hof von Obstbauer André Steinheuer in Oeverich. Der Mittvierziger hat sich auf den Anbau von Beerenobst spezialisiert, baut neben Erdbeeren und Johannisbeeren aber auch Steinobst (Kirschen und Pflaumen) an.

André Steinheuer erläuterte die Probleme, die ein Mindestlohn für seinen Betrieb verursacht. „Der Obstanbau ist sehr arbeitsintensiv. Lohnkosten machen daher den größten Anteil vom Preis aus. Wenn die Lohnkosten steigen, müssen wir die Preise erhöhen. Ob das aber alle Betriebe überleben, ist mehr als fraglich“, so der Betriebsinhaber. Er sei sicher, dass die Discounter und auch die im harten Wettbewerb stehenden Vollsortimenter wie Edeka und Rewe oder Tegut, die einen wesentlichen Teil der Ernte abnehmen, keinen höheren Preis zahlen würden, eventuell sogar ausländische Ware zukauften. Damit würden viele Betriebe in ihrer Existenz gefährdet.

Steinheuer verwies darauf, dass die ausländischen Saisonarbeitskräfte aktuell einen Stundenlohn von 6,50 Euro bekämen. Kost und Unterbringung würden von ihm, aber auch vielen seiner Kollegen komplett gratis zur Verfügung gestellt.

Das wäre künftig dann so nicht mehr möglich. Den sogar offiziell gemachten Vorschlag der Befürworter des Mindestlohns für Saisonkräfte in der Landwirtschaft, diesen künftig Kost und Unterkunft zu berechnen, findet Steinheuer „pharisäerhaft“. Einerseits solle man den Menschen mehr bezahlen, andererseits nähmen die Mindestlohn-Befürworter billigend in Kauf, dass natürlich nicht durch die „guten“ Politiker, aber durch die „bösen“ Bauern den Arbeitskräften dann das Geld wieder aus der Tasche gezogen werde.

„Scheinheilig“, nennt das Steinheuers Schwester, die Wirtschaftsjournalistin und stellvertretende Kreisvorsitzende der FDP, Christina Steinheuer. „Gut gemeint ist eben allzu oft nicht gut gemacht.“ Das sei keine Arbeitsmarktpolitik, das sei „ideologisch motivierte Sturheit im Deckmäntelchen des Gutmenschentums“. Diese Politik werde Arbeitsplätze vernichten und Existenzen gefährden. Wer glaube, dass im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel Erdbeeren oder Kirschen künftig teurer verkauft würden, der habe von den realen Gegebenheiten keine Ahnung. Nicht umsonst habe das Bundeskartellamt in den vergangenen Jahren besonders die Handelsketten im Visier.

Doch nicht nur für die Obstbauern, auch für Jugendliche befürchten die Liberalen negative Auswirkungen durch die von der großen Koalition geplante Regelung zum Mindestlohn. „Jetzt werden Jugendliche vor die Wahl gestellt, ob sie für 1.360 Euro im Monat ungelernte Aushilfe werden oder für 400 Euro eine Lehre im Handwerk beginnen“, gab der FDP-Kreisvorsitzende Ulrich van Bebber zu bedenken. Für den Liberalen ist eindeutig: „Jeder Einzelne, der von der Ausbildung abgehalten wird, macht unser Land weniger sozial.“ Der Mindestlohn sei nicht sozial verantwortbar, weil er Menschen aus dem Arbeitsmarkt dränge, statt sie hineinzuführen. Gerecht sei vor allem, dass Menschen, die Arbeit suchen, auch einen Job finden, selbst wenn dieser nur für den Einstieg sei, betonte der FDP-Kreisvorsitzende.

Notwendig sei es, flexible Löhne zuzulassen, die auf regionale und sektorale Unterschiede Rücksicht nehmen. „Es wäre besser, auf flexible Lohnuntergrenzen zu setzen und das bewährte Modell der Tarifpartnerschaft nicht zu zerstören. Die Sozialpartnerschaft ist ein Erfolgsmodell, welches man mit flexiblen Lohnuntergrenzen ergänzen muss und nicht kaputtmachen darf.“ Pressemitteilung des

FDP-Kreisverbands Ahrweiler

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